Katholische Kirche fordert Einschränkung der Meldepflicht
Das katholische Forum "Leben in der Illegalität" hat Pläne zur Verschärfung
der Übermittlungspflichten öffentlicher Stellen kritisiert. Die in Europa einmalige
Pflicht, Ausländer ohne legalen Aufenthaltsstatus der Ausländerbehörde zu melden,
führe in der Praxis meist nicht zur Aufdeckung des unerlaubten Aufenthalts.
Vielmehr verzichteten die Menschen auf elementare soziale Rechte, wie das Recht
auf medizinische Versorgung, Schulbesuch oder Schutz vor Ausbeutung. Die katholische
Kirche fordere daher seit Jahren, die Meldepflicht soweit einzuschränken, dass
die Betroffenen ihre grundlegenden sozialen Rechte ohne Furcht vor Abschiebung
in Anspruch nehmen können.
Das Bundesinnenministerium bezeichnet dagegen in einem Bericht die Übermittlungspflicht
als unverzichtbares Mittel der Migrationskontrolle. Politischer Handlungsbedarf
im Bereich der illegalen Migration in Deutschland bestehe nicht. Es gebe Hinweise,
dass die Zahl illegal aufhältiger Personen eher rückläufig sei.
Ärzte gegen Datenübermittlung und Altersfeststellung
Der Deutsche Ärztetag hat sich am 16.5.2007 gegen geplante Änderungen des
Aufenthaltsrechts ausgesprochen. Die Pflicht von öffentlichen Stellen wie Krankenhäusern
und Sozialämtern zur Übermittlung von Informationen über Ausländer an die Ausländerbehörden
sollte gestrichen werden. So sei sicherzustellen, dass Menschen ohne Aufenthaltsstatus
Ärzte und Krankenhäuser rechtzeitig aufsuchten. Außerdem solle klar gestellt
werden, dass medizinische Hilfe nicht unter den Straftatbestand der Beihilfe
zur illegalen Einreise oder zum illegalen Aufenthalt fällt.
Ferner lehnte der Ärztetag eine Beteiligung von Ärzten an der Altersfeststellung
von Ausländern ab. Sie sei nicht mit dem Berufsrecht zu vereinbaren, da es sich
weder um eine Maßnahme zur Verhinderung noch um die Therapie einer Erkrankung
handele. Die dabei meist eingesetzte Methode des Röntgens der Handwurzelknochen
sei zudem wissenschaftlich umstritten. Röntgenstrahlen seien potenziell gefährlich
und dürften nach der Röntgenverordnung nur bei medizinischer Indikation eingesetzt
werden.
Umsetzung der Bleiberechtsregelung
Das Bundesinnenministerium hat dem Innenausschuss des Bundestags einen Bericht
zur Umsetzung des Bleiberechtsbeschlusses vorgelegt (22 S., M10385).
Der Bericht enthält umfangreiches, nach Bundesländern differenziertes statistisches
Material für den Zeitraum vom 20. November 2006 bis zum 31. März 2007. Die bundesweiten
Zahlen ergeben sich aus der unten stehenden Tabelle. Insgesamt lebten am 30.4.2007
in Deutschland 164 624 Personen mit Duldung, davon 94 332 länger als sechs Jahre
und 64 362 länger als acht Jahre.
Bilanz der Bleiberechtsregelung (Stand: 31.3.2007)
| Anträge (Anzahl der Personen) | 58259 |
| Rücknahmen* | 136 |
| Aufenthaltserlaubnis | 5002 |
| davon: | |
| – Erwerbstätigkeit | 4486 |
| – abgesehen von Erwerbstätigkeit | 516 |
| – jeweils einbezogene Familienangehörige | 1899 |
| Duldung zur Arbeitssuche | 19242 |
| – darauf erteilte Aufenthaltserlaubnis | 1109 |
| Ablehnungen | 3402 |
| – Ausschlussgründe | 1619 |
| – fehlende Voraussetzungen | 7 |
| – sonstige Gründe | 1211 |
| – jeweils mitbetroffene Familienangehörige | 1039 |
| nicht entschiedene Anträge* | 8177 |
|
Keine Angaben von Bremen,
Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, |
Bundesrat fordert Änderungen an Gesetzentwurf
Der Bundesrat hat zahlreiche Änderungen an dem derzeit im Bundestag debattierten
Änderungsgesetz zum Aufenthaltsrecht gefordert (Drs. 224/07). So soll der Familiennachzug
an den Nachweis ausreichender Sprachkenntnisse gekoppelt werden. Die Datenübermittlung
zwischen Sozial- und Ausländerbehörden soll vereinfacht werden. Insbesondere
sollen die Sozialbehörden die Ausländerbehörden unverzüglich über die Beantragung
von Arbeitslosengeld II informieren. Die Änderungen des Staatsangehörigkeitsrechts
sollen aus dem Gesetzesvorhaben gestrichen werden. Stattdessen verweist der
Bundesrat auf seine eigenen Vorschläge zur Verschärfung des Einbürgerungsrechts
(Drs. 137/07). Schließlich fordert der Bundesrat einen leichteren Zuzug von
Hochqualifizierten.
Rückgang der Zuwanderung
Im Jahr 2006 kamen mit 558 000 Personen etwa vier Prozent weniger Ausländer
nach Deutschland als im Vorjahr. 155 000 Bundesbürger verließen im gleichen
Zeitraum das Bundesgebiet. Insgesamt zogen 662 000 Menschen nach Deutschland,
639 000 verließen das Land. Der Zuwanderungsüberschuss sank damit um 71 %. Das
teilte Staatsministerin Maria Böhmer auf Grundlage von Angaben des Statistischen
Bundesamtes mit.
Caritas kritisiert Abschiebung von Traumatisierten nach Afghanistan
Caritas international hat kritisiert, dass das Bundesamt unter Hinweis auf
das Engagement der Organisation in Afghanistan traumatisierten Personen Abschiebungsschutz
verweigert. Es gäbe keine ausreichende Versorgung für psychisch erkrankte Menschen.
"Abschiebungen mit der Begründung einer Versorgung in diesem Bereich vorzunehmen,
ist zynisch", sagte Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes.
Caritas international unterhält insgesamt zwölf psychosoziale Beratungszentren
in Afghanistan. Schätzungen gehen von Hunderttausenden Afghanen aus, die unter
einer posttraumtischen Belastungsstörung leiden.
Schleswig-Holstein: Streit um "Gefälligkeitsgutachten"
Der Diakonieverein Migration Pinneberg hat Strafanzeige gegen eine Allgemeinmedizinerin
wegen des Verdachts von Gefälligkeitsgutachten und falschen Gesundheitszeugnissen
für die Kreisverwaltung gestellt. In einigen vom Diakonieverein betreuten Einzelfällen
sei der Eindruck entstanden, dass durch einen oberflächlichen Gesundheitscheck
die formalen Voraussetzungen für die Abschiebung der Betroffenen geschaffen
werden sollten, heißt es in einer Presseerklärung des Diakonievereins. Trotz
Vorlage von ausführlichen psychiatrischen und psychologischen Stellungnahmen,
die erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen bis hin zu Suizidalität attestierten,
habe sich die Untersuchung der vom Kreis beauftragten Ärztin auf eine rein körperliche
Untersuchung von kaum mehr als 15 Minuten beschränkt.
Landrat Wolfgang Grimme wies die Vorwürfe zurück. Die Ausländerbehörde sei an
die Feststellung des Bundesamts zu zielstaatsbezogenen Abschiebungshindernissen
gebunden und habe nur zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand unmittelbar
durch die Abschiebung wesentlich verschlechtern würde. In allen Fällen untersuche
die beauftragte Ärztin die Betroffenen nach intensivem Aktenstudium. Lägen Anhaltspunkte
für eine relevante psychische Erkrankung vor, erfolge eine weitergehende Untersuchung
durch einen "Facharzt für Psychologie". Voraussetzung dafür seien aber "Anzeichen
für ein inlandsbezogenes Vollstreckungshindernis". Das schleswig-holsteinische
Innenministerium habe das Vorgehen des Kreises ausdrücklich bestätigt.
Mehrere Schiffsunglücke im Mittelmeer
Im Mai haben sich mehrere schwere Unglücke ereignet, als Migranten versuchten,
das Mittelmeer zu überqueren. Mitte des Monats verschwand ein Boot mit 53 Menschen
an Bord vor der Küste Maltas. Ein Militärflugzeug hatte das Boot entdeckt, das
offensichtlich ein Leck hatte. Die Küstenwache fand es allerdings nicht mehr
vor. Die Rettungstrupps schlossen jedoch nicht aus, dass es wegen des Lecks
umgekehrt war. Dagegen konnte die Küstenwache 24 von 25 Personen eines anderen
Bootes retten, das sich überschlagen hatte.
Aufsehen erregte der Fall von 27 Menschen, die sich nach der Havarie ihres Bootes
zwischen Libyen und Malta drei Tage lang an ein Schleppnetz festklammerten.
Der Kapitän des Maltesischen Fangboots weigerte sich, die Schiffbrüchigen an
Bord zu nehmen. Sie wurden schließlich von einem italienischen Boot aufgenommen.
Ein spanisches Fischerboot nahm 26 Schiffbrüchige vor Malta auf. Sowohl die
maltesischen als auch die libyschen Behörden verweigerten jedoch die Aufnahme
der Flüchtlinge. Sie wurden schließlich von der spanischen Küstenwache nach
Spanien gebracht.
Frontex startet gemeinsames Überwachungsnetzwerk
Die europäische Grenzschutzagentur Frontex hat begonnen, ein Netzwerk von Patrouillen
im Mittelmeer und Atlantik aufzubauen. Dazu sollen Überwachungsmaßnahmen der
Mitgliedstaaten koordiniert werden, um Überschneidungen zu vermeiden und Informationen
effektiv auszutauschen, teilte Frontex mit. Schwerpunkt der European Border
Patrols Network (EBPN) genannten Aktion sollen die Kanarischen Inseln sein.
Kein Aufnahmeprogramm für Iraker
Der Rat der Innen- und Justizminister hat sich gegen ein Aufnahmeprogramm für
irakische Flüchtlinge ausgesprochen. Auf ihrer Sitzung in Luxemburg im April
schlugen die Minister stattdessen verstärkte finanzielle Hilfen für die Nachbarstaaten
vor.
Strafen für Arbeitgeber
Die Europäische Kommission hat einen gemeinsamen Katalog von Sanktionen gegen
Arbeitgeber vorgeschlagen, die illegale Einwanderer beschäftigen. Der Vorschlag
sieht Bußgelder, den Verlust von öffentlichen Aufträgen und von Subventionen
vor. Wenn ein Arbeitgeber illegale Arbeitnehmer dreimal in zwei Jahren einstellt,
sollen sogar strafrechtlliche Sanktionen drohen. Bereits jetzt sehen 19 der
27 Mitgliedstaaten Strafen für Arbeitgeber vor.
Gleichzeitig sollen die Möglichkeiten, zeitweise in Europa zu arbeiten, verbessert
werden. Dazu schlägt die Kommission vor, dass die Mitgliedstaaten ihren Bedarf
an Arbeitskräften der Kommission melden, die dann entsprechende Kontingente
zusammenstellt. Durch diese "zirkuläre Migration" soll die ungesteuerte Einreise
von Arbeitsmigranten verhindert werden.
Parlamentsausschuss stimmt Visa-Informationssystem zu
Der Ausschuss für Bürgerrechte, Justiz und innere Angelegenheiten des Europäischen
Parlaments hat am 14. Mai 2007 der Einrichtung des Visa-Informationssystems
(VIS) zugestimmt. Damit ist der Weg frei für die Errichtung der weltweit größten
Datenbank mit biometrischen Daten. Voraussichtlich werden die Fingerabdrücke
und Fotos von 20 Millionen Visumsantragstellern jährlich gespeichert.
Bereits am 8. Mai sprach sich der Ausschuss für eine verstärkte praktische Zusammenarbeit
der Mitgliedstaaten im Asylverfahren aus. Die Parlamentarier stimmten einem
Bericht des Abgeordneten Hubert Pirker zu, der unter anderem ein einheitliches
Verfahren, eine gemeinsame Datenbank mit Herkunftsländerinformationen, ein verbessertes
und harmonisiertes Training der Entscheider und einen vereinfachten Zugang zum
Europäischen Gerichtshof vorschlägt.
Europarat besorgt über Flüchtlingsschutz
Der Ausschuss für Migration, Flüchtlinge und Bevölkerung der Parlamentarischen
Versammlung des Europarats hat sich besorgt darüber gezeigt, dass sich im Jahr
2006 der Zugang zu effektivem Schutz in Europa verschlechtert habe. Die politische
Debatte sei von den Themen illegale Einwanderung und Terrorismus geprägt, heißt
es in einem Bericht des Abgeordneten Ed Van Thijn, dem der Ausschuss am 18. April
zustimmte (abrufbar unter: http://assembly.coe.int).
Dies habe zu zunehmend restriktiven Maßnahmen an den Grenzen geführt.
Erstes EU-Visa-Zentrum
EU-Justizkommissar Franco Frattini hat am 25. April 2007 in Moldawien das
erste gemeinsame Visa-Zentrum der EU eröffnet. Sechs EU-Mitgliedstaaten (Ungarn,
Österreich, Slowenien, Lettland, Dänemark und Estland) vergeben künftig Visa
über das Zentrum in der ungarischen Botschaft in Chişinău.
Finanzhilfe für Senegal
Senegal erhält von der EU finanzielle Hilfen in Höhe von 1,8 Millionen Euro
zur Bekämpfung der illegalen Migration. Das vereinbarten eine EU-Delegation
unter Leitung von Gilles Hervio und der senegalesische Innenminister Ousmane
Ngom am 25. April 2007. Die Hilfe ist für die Anschaffung von Ausrüstung zur
Grenzsicherung und für die Rückübernahme von senegalesischen Staatsangehörigen
bestimmt.
Gemeinsamer Abschiebungsflug
Am 25. April 2007 haben acht EU-Staaten insgesamt 26 Ausländer von Düsseldorf
nach Togo und Kamerun abgeschoben. An der Aktion beteiligten sich Deutschland,
Spanien, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande, Polen, Italien und die Tschechische
Republik. Es handelte sich um die vierte gemeinsame Abschiebung seit September
2006 im Rahmen eines von der EU finanzierten Projektes. Dabei wurden insgesamt
121 Personen abgeschoben.
Bericht zur sozialen Situation von Flüchtlingen
Der Jesuiten Flüchtlingsdienst hat einen Bericht über die soziale Situation
von Flüchtlingen in sieben europäischen Staaten vorgelegt. Er behandelt die
Situation vor allem von Flüchtlingen ohne Aufenthaltsstatus, die nicht abgeschoben
werden können, in Belgien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Malta, Portugal
und Rumänien. Zwar unterscheide sich die rechtliche Situation, gemeinsam sei
aber allen Ländern, dass sie Flüchtlinge an den Rand der Gesellschaft drängen.
Der Bericht ist unter www.jrseurope.org
erhältlich.
Grünbuch zur Asylpolitik angekündigt
Die Europäische Kommission hat die Veröffentlichung eines Grünbuchs zum Gemeinsamen
Europäischen Asylsystem am 6. Juni 2007 angekündigt. Mit dem Dokument will die
Kommission einen breiten Beratungsprozess über die Zukunft der europäischen
Asylpolitik anstoßen. Zugleich soll ein Bericht über die Umsetzung der Dublin II-Verordnung
und von Eurodac veröffentlicht werden. Ebenfalls noch im Juni soll ein Kommissionsbericht
über die Umsetzung der Richtlinie zu den Aufnahmebedingungen erscheinen.
Spanien: Abschiebung von afrikanischen Flüchtlingen
Spanien hat Mitte Mai etwa 800 afrikanische Flüchtlinge abgeschoben, 600 davon
kamen aus dem Senegal. Das teilte Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba mit.
Gleichzeitig erreichten erneut Hunderte von Flüchtlingen die Kanarischen Inseln.
Spanien: Mehr Asylanträge auf den Kanarischen Inseln
In diesem Jahr haben bereits 150 Personen auf den Kanarischen Inseln um
Asyl nachgesucht. Im ganzen Jahr 2006 waren es nur 200. Im gleichen Zeitraum
erreichten 32 000 Migranten die Inseln, die aber nach Angaben der spanischen
Behörden und von UNHCR ganz überwiegend keinen Asylantrag stellten.
Frankreich: Belohnung für Rückkehr
Der neue französische Minister für "Einwanderung und nationale Identität", Brice
Hortefeux, hat finanzielle Belohnungen für Ausländer angekündigt, die freiwillig
zurückkehren. Eine Familie mit zwei Kindern soll 6000 Euro erhalten, wenn sie
Frankreich verlässt, berichtete der EUobserver. In den Jahren 2005 und 2006
gab es bereits ein ähnliches Projekt, das etwa 3000 Familien bei der Rückkehr
finanziell förderte.
Niederlande: Bleiberecht für abgelehnte Asylbewerber
Etwa 25 000 abgelehnte Asylbewerber, die vor April 2001 in die Niederlande gekommen
sind, sollen ein Bleiberecht erhalten. Das beschloss die Regierungskoalition
aus Christdemokraten, Sozialdemokraten und Christlicher Union.
Niederlande: Arbeitsmarkt geöffnet
Die Niederlande wollen die Beschränkungen für den Arbeitsmarktzugang von Staatsangehörigen
der neuen Mitgliedstaaten der EU aufheben. Das teilte die Regierung am 27. April
2007 der Europäischen Kommission mit. Bereits im letzten Jahr haben Spanien,
Portugal, Finnland, Griechenland und Italien ihren Arbeitsmarkt geöffnet. Deutschland
kündigte dagegen an, bis 2011 an den Beschränkungen festzuhalten.
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