ASYLMAGAZIN 7-8/2006

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

die EU-Kommission hat die Verabschiedung einer gemeinsamen Liste von »sicheren Herkunftsländern« auf den Herbst vertagt. Offiziell wurde dieser Schritt mit der Uneinigkeit innerhalb der Kommission und der Mitgliedstaaten begründet. Einen anderen Grund nannte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in seiner Rede zum diesjährigen Berliner Symposium. Schäuble sagte, die Verabschiedung der Liste sei bisher daran gescheitert, dass es immer wieder Länder gebe, die sich beklagten, dass sie nicht auf der Liste stünden. »Und aus diplomatischer Rücksicht auf diejenigen, die nicht darauf stehen können, kommt man dann zu dem Ergebnis, dass man überhaupt keine Liste aufstellt«, so Schäuble wörtlich. Er bestätigte damit eine alte Sorge von Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen, dass diplomatische Erwägungen bei der Festlegung solcher Listen eine Rolle spielen. Das stellt die Legitimität der Listen entscheidend in Frage.

Ihr Ekkehard Hollmann

Nachrichten

Bund

Evaluierung des Zuwanderungsgesetzes vorgelegt
Das Bundesinnenministerium hat im Juli 2006 einen Bericht zur Evaluierung des Zuwanderungsgesetzes vorgelegt (266 S., M8458). Das Gesetz habe sich insgesamt bewährt, nur punktuell bestehe »Optimierungsbedarf«, heißt es in dem Bericht. Allerdings beinhaltet der Bericht eine Reihe von umstrittenen Vorschlägen und Feststellungen. So wird verlangt, den Ehegattennachzug zu Deutschen von der Sicherung des Lebensunterhalts abhängig zu machen. Problematisch seien auch der Missbrauch beim Bereich des Kindernachzugs zum allein personensorgeberechtigten Elternteil sowie die Phänomene der Scheinehe, Zwangsehe und Scheinvaterschaft. Der Familiennachzug solle von Deutschkenntnissen abhängig gemacht werden.
Kirchen und Verbände kritisierten den Bericht. So heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der evangelischen und katholischen Kirchen, der Bericht sei »an vielen Stellen von Misstrauen und der Forderung nach Sanktionen geprägt«. Skeptisch äußerte sich auch der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Dieter Wiefelspütz: »Das ist nur eine Vorlage unserer tüchtigen Beamten.« Die Vorschläge seien innerhalb der Regierung nicht abgestimmt. Vieles werde das Parlament so sicherlich nicht machen.

Schäuble befürwortet Altfallregelung
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich für eine Altfallregelung ausgesprochen. Der Süddeutschen Zeitung sagte er, dass die Chancen für eine einvernehmliche Lösung zwischen Bund und Ländern relativ groß seien. »Jeder sieht doch, dass man Kinder, die hier geboren wurden, zur Schule gingen und oft sogar einen guten Abschluss gemacht haben, nicht irgendwohin abschieben kann.« Von einer Altfallregelung könnten schätzungsweise 150 000 bis 200 000 Personen betroffen sein, so Schäuble.

Niedrige Einwanderung und weniger Einbürgerungen
Auch 2004 sind unter dem Strich erneut weniger Menschen nach Deutschland gekommen. 780 000 Zuzügen standen 697 000 Wegzüge gegenüber, darunter 602 000 Zuzüge und 547 000 Wegzüge von Ausländern. Das Wanderungssaldo von Ausländern erreichte damit den niedrigsten Stand seit 1998. Das teilte die Bundesregierung im Migrationsbericht 2005 mit (BT-Ds. 16/2000). Während sich die Zahl der Zuzüge gegenüber 2003 nur leicht erhöhte (1,5 Prozent), stieg die Zahl der Wegzüge deutlich (11,4 Prozent). Mehr als zwei Drittel der zugezogenen Personen stammten aus Europa.
Außerdem sank die Zahl der Einbürgerungen im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 1998. Nur 117 240 Ausländer erhielten die deutsche Staatsangehörigkeit. Das ist ein Rückgang im Vergleich zu 2004 um 7,8 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Punktesystem für Einwanderung von Juden
Die Einwanderung von Juden aus dem Gebiet der früheren Sowjetunion soll über ein Punktesystem geregelt werden. Darauf einigten sich die Innenminister und -senatoren auf ihrer letzten Konferenz im Mai. Danach sind – außer für Opfer nationalsozialistischer Verfolgung – 50 von 105 möglichen Punkten erforderlich, die eine positive Integrationserwartung belegen. Die meisten Punkte (25) lassen sich mit guten Deutschkenntnissen sammeln. Ein Hochschulabschluss bringt 20 Punkte, Berufserfahrung und eine zu erwartende Mitgliedschaft in einer jüdischen Organisation je 10 Punkte. Bis zu 15 Punkte können jüngere Kandidaten erhalten. Der Zentralrat der Juden in Deutschland stimmte dem System zu.

Integrationsgipfel bildet Arbeitsgruppen
Der »Integrationsgipfel« am 14. Juli 2006 hat sich auf die Einrichtung von sechs Arbeitsgruppen geeignet. Diese sollen sich mit einzelnen Themen wie »Integrationsaktivitäten vor Ort« oder »Situation von Frauen und Mädchen« beschäftigen. Das teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Anschluss an das Treffen von Politikern und Vertretern gesellschaftlicher Gruppen mit. Teilnehmer der Arbeitsgruppen werden hauptsächlich die Teilnehmer des »Integrationsgipfels« sein. Merkel zeigte sich mit dem Ergebnis des Gipfels »außerordentlich zufrieden«. Der Gipfel sei ein »fast historisches Ereignis«.

Zentrum gegen illegale Migration
Die Bundesregierung hat ein »Gemeinsames Analyse- und Strategiezentrum illegale Migration (GASIM)« eingerichtet. Dort arbeiten seit Mai 2006 Bundeskriminalamt, Bundespolizei, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Finanzkontrolle Schwarzarbeit, Bundesnachrichtendienst und Bundesamt für Verfassungsschutz unter Einbindung des Auswärtigen Amtes zusammen, um Informationen zu bündeln und die Vorgehensweise der beteiligten Behörden abzustimmen. Eine Beteiligung der Länder wird nach Aussage des Staatssekretärs im Bundesinnenministium, August Hanning, angestrebt.
Pro Asyl kritisierte insbesondere die Teilnahme des Bundesnachrichtendienstes. »Wenn es das Prinzip ist, alle Informationen in einen Topf zu werfen, das Gebräu dann nicht zu kontrollieren und den Betroffenen keinen Rechtsschutz gegen diese Maßnahmen zu gewähren, dann sind wir skeptisch«, so Pro-Asyl-Referent Bernd Mesovic.

Geheimdienste sollen auf SIS zugreifen
Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass Geheimdienste Zugriff auf das Schengener Informationssystem (SIS) erhalten. Das bestätigte der Parlamentarische Staatssekretär Peter Altmaier (CDU) auf eine Anfrage des grünen Bundestagsabgeordneten Wolfgang Wieland. Die Geheimdienste sollen im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgaben Ausschreibungen zur Verweigerung der Einreise oder des Aufenthalts sowie zur verdeckten Registrierung oder gezielten Kontrolle lesen können.

Gleichbehandlungsgesetz verabschiedet
Der Bundestag hat am 29. Juni das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz beschlossen. Erst zwei Tage vorher konnte sich die Koalition auf einen Kompromiss verständigen. Durch das Gesetz werden vier Antidiskriminierungsrichtlinien der EU umgesetzt. Es regelt das Verbot von Diskriminierungen in Beschäftigung und Beruf und im allgemeinen Zivilrecht. In der abschließenden Verhandlungsrunde ist die SPD der Union vor allem in Fragen des Verfahrensrechts und der Rechte von Betriebsräten und Gewerkschaften entgegengekommen.

Delegationsleiter aus Guinea als Schleuser erkannt
Der Leiter einer Delegation aus Guinea, N'Faly Keita, die zahlreichen afrikanischen Flüchtlingen Passersatzpapiere ausstellte, um ihre Abschiebung zu ermöglichen, soll mit gefälschten Diplomatenpässen gehandelt haben. Das berichtete die taz Nord am 16. Juni 2006. Bei einer Vorführung in Dortmund erkannten ihn mehrere der vorgeführten Flüchtlinge als denjenigen, der ihnen solche gefälschten Pässe verkauft hatte. Keita verließ daraufhin Deutschland.

Kürzungen bei EFF-Projekten
Alle Projektanträge für Fördermittel aus dem Europäischen Flüchtlingsfonds in den Jahren 2004 und 2005 waren von Kürzungen betroffen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen hervor (BT-Ds. 16/2060). Nur einige Kleinprojekte seien von der Kürzung ausgenommen gewesen. In 2005 seien insgesamt 127 Mehrjahresprojekte und 74 Jahresprojekte gefördert worden

 

Bundesländer

Niedersachsen: Härtefallkommission geplant
Niedersachsen will ab September 2006 eine Härtefallkommission einrichten. Das beschloss das Kabinett am 21. Juli, berichtete die Frankfurter Rundschau. In der Kommission sollen Landkreistag, Städtetag, evangelische und katholische Kirche und die freien Wohlfahrtsverbände vertreten sein. Außerdem werden drei weitere Mitglieder der Kommission vom Innenministerium benannt. Das Innenministerium stellt zudem den Vorsitzenden, der aber über kein Stimmrecht verfügen soll.
Der Flüchtlingsrat Niedersachsen kritisierte, dass nach den Plänen der Landesregierung sehr hohe Hürden den Zugang zum Härtefallverfahren verschließen sollen. Kein anderes Bundesland habe eine derartige Fülle von Ausschlusstatbeständen aufgelistet.

Bayern: Beckstein plant Härtefallkommission
Als letztes Bundesland plant Bayern die Einrichtung einer Härtefallkommission. Innenminister Günther Beckstein (CSU) legte dazu Eckpunkte vor. Danach soll die achtköpfige Kommission je zur Hälfte aus Vertretern der Kirchen und der kirchlichen Wohlfahrtsverbände auf der einen sowie Vertretern der kommunalen Spitzenverbände auf der anderen Seite besetzt sein. Für ein Härtefallersuchen ist ein Quorum von sechs Stimmen vorgesehen. Die Antragsteller sollen allerdings das Ergebnis im Ausland abwarten. Im Falle einer positiven Entscheidung soll ihnen die Rückkehr nach Bayern gestattet werden.

Berlin: Abschiebungsstopp für langjährig geduldete Familien
Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat einen vorläufigen Abschiebungsstopp bis Ende des Jahres für Familien mit Kindern, die sich lange in Deutschland aufhalten, verhängt. Damit greift er einer Einigung der Innenminister und -senatoren bei der nächsten Innenministerkonferenz im Herbst auf eine Altfallregelung vor. Er rechne fest damit, dass die Innenminsterkonferenz sich auf eine Altfallregelung einigen werde, sagte Körting.

Sachsen: Landtag fordert Altfallregelung
Der Sächsische Landtag hat sich für eine Altfallregelung ausgesprochen. Auf Antrag der Großen Koalition forderte der Landtag die Landesregierung außerdem auf, bis zum Inkrafttreten einer Altfallregelung für langjährig in Deutschland lebende Ausländer »aufenthaltsbeendende Maßnahmen für diesen Personenkreis mit besonderer Sorgfalt zu prüfen«.

Hamburg: Statistik zu Personen mit Duldung
In Hamburg leben insgesamt 7053 Personen mit einer Duldung. Das teilte der Senat auf Anfrage der Bürgerschaftsfraktion der GAL mit (Ds. 18/4120). Den mit Abstand größten Anteil stellen Afghanen (2320 Personen), gefolgt von Personen aus Serbien und Montenegro (1611 Personen). Insgesamt leben 3193 Kinder und Jugendliche mit Duldung in Hamburg, von denen 1414 in Deutschland geboren sind. 4108 Personen leben bereits fünf Jahre und länger mit Duldung in Hamburg, 770 Personen sogar mindestens zehn Jahre.

Sachsen-Anhalt: Gutachten zum Tod von Oury Jallow
Der Asylbewerber Oury Jallow, der am 7. Januar 2005 in einer Arrestzelle der Dessauer Polizei verbrannte, könnte noch leben, wenn die diensthabenden Beamten schneller reagiert hätten. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Instituts der Feuerwehr in Heyrothsberge. Danach verstrichen zwischen dem Auslösen des Feueralarms und dem Tod Jallows etwa sechs Minuten. In dieser Zeit schaltete der Dienstgruppenleiter der Polizei zweimal den Feueralarm ab. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beamten fahrlässige Tötung beziehungsweise Körperverletzung mit Todesfolge vor. Das Gutachten war eingeholt worden, um das Landgericht Dessau davon zu überzeugen, das Verfahren zu eröffnen. Im Oktober 2005 hatte das Gericht die Eröffnung abgelehnt und Nachermittlungen verlangt.

 

Europa

Kommission kritisiert Umsetzung des Haager Programms
Der Justiz- und Innenkommissar Franco Frattini hat die Umsetzung der Europäischen Rechtsakte in den Mitgliedstaaten kritisiert. »Während der Rhythmus von Vorschlägen für neue Rechtsakte auf EU-Ebene zufriedenstellend ist, brauchen wir bessere Methoden, um die effektive Implementierung und die tatsächlichen Auswirkungen für die Bürger zu überprüfen«, sagte Frattini anlässlich der Vorstellung von vier Mitteilungen der Kommission zur Umsetzung des Haager Programms.
In der derzeit laufenden, zweiten Phase des Haager Programms will die Kommission die Dublin II-Verordnung, die Richtlinie zu den Aufnahmebedingungen und die Qualifikationsrichtlinie auswerten. Dazu will sie im nächsten Jahr ein Grünbuch vorlegen. Außerdem soll die praktische Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten verstärkt werden, unter anderem durch die Einrichtung einer EU-weiten Datenbank mit Herkunftsländerinformationen.
Die Kommission schlägt vor, den Zugang zum Europäischen Gerichtshof in Fragen des Asylrechts, der Einwanderung, der Visaerteilung und der Freizügigkeit zu erleichtern. Der Gerichtshof soll bereits angerufen werden können, bevor der nationale Rechtsweg erschöpft ist. Gerade Asylsuchende und Ausländer, die Familienzusammenführung beantragen oder ausgewiesen worden sind, hätten häufig nicht die finanziellen Mittel, um den nationalen Rechtsweg auszuschöpfen, so die Kommission.

Richtlinie zur Familienzusammenführung rechtmäßig
Der Europäische Gerichtshof hat die Klage des Europäischen Parlaments gegen die Richtlinie zur Familienzusammenführung abgewiesen. Die Richtlinie verstoße nicht gegen das Grundrecht auf Achtung des Familienlebens, der Verpflichtung zur Achtung des Familienwohls und das Verbot der Diskriminierung wegen des Alters. Es könne den Mitgliedstaaten freigestellt werden, die Aufnahme eines Kindes über zwölf Jahren, das unabhängig vom Rest der Familie ankommt, von weiteren Integrationskriterien abhängig zu machen. Allerdings müssten die Mitgliedstaaten dabei den Schutz der Familie und das Kindeswohl angemessen berücksichtigen. Der Gerichtshof bestätigte auch die Regelung der Richtlinie, wonach die Mitgliedstaaten die Richtlinie nur auf Anträge anwenden müssen, die vor dem 15. Lebensjahr der betreffenden Kinder gestellt werden. Sie seien aber dennoch verpflichtet, die Anträge unter Berücksichtigung des Familienlebens und des Kindeswohls zu prüfen. Schließlich sah der Gerichtshof auch kein Rechtsverstoß in der Regelung, wonach die Mitgliedstaaten die Familienzusammenführung um zwei oder drei Jahre verzögern dürfen (Urteil vom 27. Juni 2006 - C-540/03 - (16 S., M8356)).

Entwicklungshilfe zur Steuerung von Migrationsströmen
In einem Pilotprojekt zwischen Mitgliedstaaten der EU und afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten soll erprobt werden, mit Mitteln der EU-Entwicklungspolitik Migrationsströme zu steuern. In Gesprächen zwischen EU-Entwicklungskommissar Louis Michel und dem Präsidenten der Kanarischen Inseln, Adán Martín Menis, wurde die Möglichkeit besprochen, Gelder aus dem Europäischen Entwicklungsfonds für diese Zwecke zu nutzten.

ECRE kritisiert Dublin-System
Der Europäische Flüchtlingsrat ECRE und 73 Flüchtlingsorganisationen aus ganz Europa haben Innen- und Justizkommissar Franco Frattini in einem offenen Brief auf Mängel der Dublin II-Verordnung hingewiesen. Das bestehende EU-Asylsystem gefährde Menschenleben und verursache unnötiges Leiden von Familien, Kindern und Opfern von Folter. »Flüchtlinge werden dem Risiko von Verfolgung ausgesetzt, weil die europäischen Staaten versuchen, ihre Verantwortung für Asylsuchende einzuschränken«, sagte Peer Baneke, Generalsekretär von ECRE. Einige Staaten verweigerten den Zugang zu einem vollständigen Asylverfahren für Personen, die nach dem Dublin-System überstellt wurden.

Liste mit »sicheren Herkunftsstaaten« vertagt
Die Verabschiedung der gemeinsamen Liste von »sicheren Herkunftsstaaten« ist auf den Herbst verschoben worden. Das teilte ein Sprecher der EU-Kommission mit. Grund sei die Uneinigkeit sowohl innerhalb der Kommission also auch unter den Mitgliedstaaten.

EU-Kommission will Kriseninterventionsteams
Die EU-Kommission möchte »Kriseninterventionsteams« (Rapid Border Intervention Teams) für die Grenzkontrolle einrichten. Die »Rabits« genannte Truppe soll sich aus Grenzschützern aus allen Mitgliedstaaten zusammensetzen und eine Armbinde mit EU-Logo tragen. Sie soll EU-weit zur Kontrolle von Personen und Dokumenten, zu Befragungen und zu Durchsuchungen von Fahrzeugen und Gepäck befugt sein. Die Mitgliedstaaten sollen technische und operative Unterstützung im Fall von Notsituationen anfordern können.

EU und afrikanische Staaten bekämpfen illegale Migration
Die EU und mehrere afrikanische Staaten haben sich auf gemeinsame Maßnahmen zur Verhinderung von illegaler Migration geeinigt. Auf einer Ministerkonferenz in Rabat am 10. und 11. Juli 2006 vereinbarten sie unter anderem eine gemeinsame Kontrolle der See und der Landgrenzen sowie die Bekämpfung der Armut. Spanien will 10 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um potenziellen afrikanischen Migranten den Aufbau von kleinen Geschäften im Heimatland zu ermöglichen. Die EU unterstützt Mauretanien mit 2,45 Millionen Euro unter anderem beim Aufbau von Kapazitäten zur Inhaftierung und Abschiebung von Migranten in ihre Heimatländer. Insgesamt möchte die EU 18 Milliaden Euro zwischen 2007 und 2013 zur Verfügung stellen. Auf der Konferenz trafen sich Vertreter von fast 60 EU- und afrikanischen Staaten.

UNHCR-Plan zu »gemischten Migrationsbewegungen«
UNHCR hat einen 10-Punkte-Plan mit Maßnahmen vorgestellt, die notwendig sind, um die Rechte von Flüchtlingen und Asylsuchenden in so genannten gemischten Migrationsbewegungen zu schützten. Solche Bewegungen, an denen sowohl Migranten als auch Flüchtlinge teilnehmen, bedürften »besonderer Aufmerksamkeit«, sagte Flüchtlingshochkommissar António Guterres. Der 10-Punkte-Plan beinhaltet Maßnahmen in den Herkunftsländern ebenso wie in den Transit- und Zielländern.

Spanien: Erneut Ansturm auf Grenzzaun in Melilla
Bei einem Ansturm von etwa 70 Personen auf den Grenzzaun um die Spanische Enklave Melilla am 3. Juli 2006 sind drei Männer getötet und mehrere schwer verletzt worden. Zumindest eines der Opfer starb offensichtlich an Schussverletzungen. Es war der erste derartige Vorfall seit Oktober letzten Jahres.

Malta: UNHCR schockiert über Internierungslager
Vertreter von UNHCR haben sich schockiert über die Inhaftierung von elf Männern in einer kleinen und dunklen Zelle in einem Inhaftierungszentrum auf Malta geäußert. Die Zelle habe kein Fenster und keine Lichtquelle, den Insassen würde der Zugang zu einer Toilette verwehrt. Sie müssten in Plastikflaschen urinieren. Einer der Insassen hätte versucht, sich zu töten, sei aber von den anderen daran gehindert worden. Die Insassen seien seit mehreren Tagen in der Zelle eingesperrt, weil sie versucht hatten, aus dem Lager zu entkommen. Diese Form der Bestrafung sei offensichtlich Routine in dem Internierungszentrum.

Malta: Proteste gegen Internierung
Über 300 Personen sind am 26. Juni 2006 aus einem Internierungslager auf Malta ausgebrochen, um am Amtssitz des Premierministers gegen ihre Internierung zu protestieren. Mehrere Polizisten, Soldaten und Einwanderer wurden bei Auseinandersetzungen leicht verletzt.

Frankreich: Streit über Bleiberechtsregelung für Schüler
Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy hat mit einer Legalisierungskampagne für Schüler eine heftige Debatte ausgelöst. Nach dem Dekret des Innenministers erhalten Kinder und ihre Eltern ein Aufenthaltsrecht, wenn sie in Frankreich geboren wurden oder spätestens mit 13 Jahren eingereist sind, mindestens seit September 2005 zur Schule gehen, wenigstens zwei Jahre in Frankreich leben und einen »aufrichtigen Willen zur Integration« zeigen. Während die Sozialisten befürchten, dass vielen Familien das Aufenthaltsrecht willkürlich vorenthalten wird, kritisierte die extreme Rechte die Maßnahme als eine »neue Welle der Legalisierung«.

Frankreich: Verfassungsgericht billigt Einwanderungsgesetz
Das französische Verfassungsgericht hat das neue Einwanderungsgesetz bestätigt. Es lehnte Klagen der Sozialisten und der Kommunisten ab. Das Gesetz sieht unter anderem Verschärfungen beim Familiennachzug vor.

Italien öffnet Arbeitsmarkt
Italien hat den Staatsangehörigen der osteuropäischen Mitgliedstaaten Zugang zum Arbeitsmarkt gewährt. Außerdem sollen 350 000 Drittstaatsangehörige Zugang zum italienischen Arbeitsmarkt erhalten.

Schweiz: Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung
In der Schweiz erhalten künftig auch Opfer von nichtstaatlicher Verfolgung Asyl. Durch ein Grundsatzurteil der Schweizerischen Asylrekurskommission werde die bisherige Praxis des Bundesamtes beendet, teilte die Schweizerische Flüchtlingshilfe mit.

Großbritannien: Kritik an »Geheimtreffen« großer EU-Staaten
Das britische Oberhaus hat die regelmäßigen Treffen von mehreren großen EU-Staaten zu Fragen der Einwanderung kritisiert. Über die Treffen zwischen Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland, Spanien und Polen, die seit 2003 stattfänden, würden nahezu keine Informationen zur Verfügung gestellt. Dabei würden dort fast alle wichtigen Themen der EU-Politik diskutiert und nicht selten feste Beschlüsse gefasst, heißt es in einem Bericht des Europaausschusses des Oberhauses.

 

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