Pressemitteilungen

12. Februar
2002

Letzter Konvoi besiegelt die Schließung des berüchtigten Lagers Jalozai

Peshawar, Pakistan - Ein letzter Konvoi mit Afghanen verließ heute das Lager Jalozai und beendete damit einen dreimonatigen UNHCR-/Regierungseinsatz, das behelfsmäßige Lager in Nordwest-Pakistan zu räumen. Insgesamt wurden seit letztem November 45.000 Afghanen von Jalozai in fünf neue UNHCR-Lager verlegt, in denen die Flüchtlinge richtige Hilfe und Unterkunft erhalten.

"Die meiste Zeit des vergangenen Jahres war Jalozai ein tragisches und sichtbares Zeugnis des traurigen Schicksals von Afghanen, die vor Jahrzehnten des Krieges, der Bedrohung, von Dürre und Hunger flohen", sagte Hochkommissar Ruud Lubbers in Genf. Lubbers hat sich seit seinem ersten Besuch zu Beginn des Jahres 2001 für die Schließung des inoffziellen Lagers eingesetzt.

"Die Existenz von Jalozai war ein trauriges Beispiel des Desinteresses der internationalen Gemeinschaft am Schicksal der Afghanen vor den Ereignissen des 11. September", sagte Lubbers. "Durch die Räumung des Lagers zeigen wir die Absicht der internationalen Gemeinschaft, dabei mitzuhelfen, dem Leiden des afghanischen Volkes ein Ende zu setzen, und die Aufnahmestaaten wie Pakistan zu unterstützen, die so viel der Last in den vergangenen Jahren getragen haben. "

Seit Ende 2000 lebten Zehntausende von Afghanen in Jalozai, etwa 40 km östlich von Peshawar, in primitiven Unterkünften, die sie sich aus Plastik, Planen und anderen Resten in einem Gelände errichtet hatten, das bei Regen häufig unter Wasser stand.

Da das Lager bereits mehr als zwei Millionen langjährige afghanische Flüchtlinge, die von der internationalen Gemeinschaft so gut wie vergessen waren, beherbergte, zögerte die Regierung anfangs, Neuankömmlinge offziell anzuerkennen. Hilfsorganisationen konnten die Afghanen in diesem behelfsmäßigen Lager nicht registrieren, und Kinder starben, da es den Helfern fast unmöglich war, auch nur geringfügige Hilfe zu leisten.

UNHCR, das Welternährungsprogramm , Ärzte ohne Grenzen, das Rescue Committee, Shelter Now International, andere Hilfsorganisationen und viele private Spender halfen. Aber die schlechte Lage von Jalozai und die beengte behelfsmäßige Unterbringung waren der Grund dafür, dass viele der nicht registrierten Flüchtlinge nur unzureichend versorgt wruden und dadruch schrecklich litten. Vor einem Jahr erlaubte man UNHCR den Transfer von 60.000 Personen aus Jalozai in das nahe gelegene Lager in Neu Schamschatoo. Jedoch strömten weiterhin Tausende noch verzweifeltere Afghanen nach Jalozai und das Lager füllte sich schnell wieder.

Mit dem Zustrom von 250.000 neuen Flüchtlingen aus Afghanistan in den Monaten nach den Terroranschlägen vom 11. September richtete sich die internationale Aufmerksamkeit erneut auf Hilfsprogramme in Pakistan. UNHCR erhielt die Genehmigung der pakistanischen Regierung, neue Flüchtlingslager in der Grenzregion des Landes zu errichten, was die Transfers ermöglichte und endlich zur heutigen Schließung des Behelfs-Flüchtlingslagers in Jalozai führte.

Hohe Vertreter von Regierung und Provinz sowie UN-Offizielle waren heute anwesend, als vom UNHCR gemietete Lastwagen die noch übrig gebliebenen Flüchtlinge in das kürzlich geöffnete Lager in Barkili - um die 150 km nördlich an der pakistanischen Grenze mit Afghanistan gelegen - brachten.

Insgesamt befinden sich in Pakistan mehr als 2 Millionen afghanische Flüchtlinge, viele davon in dauerhaften Ansiedlungen. Andere leben verstreut über das Land. Die 14 neuen Lager und ein Transitlager, die seit dem 11. September in der Nordwest-Grenzprovinz und in Belutschistan aufgebaut wurden, beherbergen derzeit 189.000 "neue" afghanische Flüchtlinge, unter anderem auch jene, die aus Jalozai transferiert wurden. Mit der Unterstützung der pakistanischen Regierung hat UNHCR weitere Lagerstandorte mit einer Aufnahmekapazität von bis zu 250.000 Personen identifiziert. UNHCR wird weiterhin Transfers von Afghanen aus den Gegenden um Quetta und Peschawar, die sich an die Organisation mit der Bitte um Schutz und Unterstützung wenden, organisieren.

Die Afghanen bilden mit mehr als 3,7 Millionen Flüchtlingen weltweit die größte Flüchtlingsbevölkerung, um die sich UNHCR kümmert: davon mindestens 2 Millionen in Pakistan und über 1,5 Millionen im Iran.

So es die Situation erlaubt, plant UNHCR 1,2 Millionen Flüchtlingen aus Afghanistan und intern Vertriebenen noch in diesem Jahr bei der Rückkehr nach Hause zu helfen. Das Repatriierungsprogramm könnte schon im März beginnen. Jedoch kehren bereits jetzt Tausende von Afghanen spontan aus Pakistan und dem Iran in ihre Heimat zurück: über 105.000 Afghanen überquerten allein im Januar die Grenze.

Presse: Stefan Telöken
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