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NZZ TagesausgabeNeue Zürcher Zeitung AUSLAND Montag, 09.08.1999 Nr. 182 1
Der schwelende Disput zwischen den zwei Flügeln des Rassemblement congolais pour la démocratie und ihren Mentoren Rwanda und Uganda hat übers Wochenende zu mehreren Schiessereien in der ostkongolesischen Stadt Kisangani geführt. Sambische Vermittler sagten deswegen einen Besuch ab. Simbabwe warnte vor einer neuen Eskalation des Kriegs.
Der seit langem schwelende Konflikt zwischen zwei der drei Rebellenfaktionen in Kongo-Zaire ist übers Wochenende offen aufgeflammt, als Einheiten der beiden Flügel des Rassemblement congolais pour la démocratie (RCD) sowie Truppen ihrer jeweiligen ugandischen und rwandischen Mentoren einander mehrstündige Schiessereien lieferten. Die Schiessereien, in denen auch Maschinengewehre und Granatwerfer eingesetzt wurden, brachen am Samstag bei einem der beiden Flughäfen der ostkongolesischen Stadt Kisangani aus. Sie dauerten mit Unterbrüchen die ganze Nacht an und ebbten erst am Sonntag morgen ab, als die Kommandanten der ugandischen und der rwandischen Truppen in der Region eine Feuerpause anordneten. Laut Korrespondentenberichten aus der drittgrössten Stadt Kongo-Zaires hielt die Spannung aber weiterhin an. Eine sambische Delegation, die zwischen den beiden RCD-Faktionen vermitteln und diese zur Unterschrift unter den Friedensplan von Lusaka bewegen wollte, musste ihren geplanten Besuch in Kisangani absagen.
Während Jean-Pierre Bemba, der Chef der dritten Rebellengruppe, des Mouvement pour la libération du Congo (MLC), das Lusaka-Abkommen am vergangenen Sonntag unterzeichnete, weigert sich die rwandisch unterstützte «Goma-Faktion» des RCD unter Emile Ilunga nach wie vor, ihre Unterschrift unter den Plan zu setzen, falls die ugandisch gesponserte «Kisangani-Faktion» ebenfalls unterschriftsberechtigt sei. Das RCD hatte sich im Mai gespalten, als der Präsident Wamba dia Wamba und seine Vertrauten an einem RCD-Kongress in Goma ihrer Ämter enthoben wurden. Die Abgesetzten zogen sich daraufhin unter ugandischen Schutz nach Kisangani zurück und weigerten sich, die Beschlüsse des Kongresses anzuerkennen. Hinter der Auseinandersetzung verstecken sich nur schlecht grosse Spannungen, die zwischen jenen beiden Mächten herrschen, welche die Rebellion vor gut einem Jahr angezettelt hatten: Uganda und Rwanda. Aus Kigali ist zu vernehmen, der starke Mann Rwandas, General Kagamé, und der ugandische Präsident Museveni fänden zurzeit keine gemeinsame Sprache mehr. Es geht, neben kommerziellen Aktivitäten der jeweiligen Regierungen in Ostkongo, wohl hauptsächlich um unterschiedliche Prioritäten der beiden Führungen. Uganda möchte sich - wenigstens offiziell - aus dem Kongo-Abenteuer so rasch wie möglich verabschieden, während Kigali nach wie vor an einer langfristigen Lösung interessiert ist, die aus seiner Sicht nur in einer massgeblichen Kontrolle über die Geschehnisse in Kongo-Zaire bestehen kann.
Allerdings hat auch Uganda seinen Ton in der letzten Woche wieder verschärft. Der Grund war die Bombardierung von zwei Städten im Norden Kongo-Zaires durch sudanesische Flugzeuge - so wenigstens wird es von Uganda und Bembas MLC dargestellt. Kinshasa stritt ab, mit dem Vorfall etwas zu tun zu haben. Bei dem Angriff sollen 18 Bomben abgeworfen worden sein, die rund 500 Todesopfer gekostet haben sollen. Bemba wandte sich an den sambischen Vermittler Chiluba, um dessen Meinung zu erfahren, wie man auf diese eklatante Verletzung des Waffenstillstands reagieren solle. Der Waffenstillstand war vor Monatsfrist in Lusaka beschlossen worden. Bemba drohte an, er werde seine Unterschrift unter dem Friedensplan wieder annullieren. Auch ugandische Stellen sprachen unverhüllt davon, die Aggression müsse in gleicher Währung heimgezahlt werden. Als vorläufig letzter stimmte am Samstag der simbabwische Aussenminister Mudenge ins Säbelrasseln ein, der erklärte, die Weigerung des RCD, das Abkommen von Lusaka zu unterzeichnen, habe die Friedensaussichten schwer beeinträchtigt; in Kongo-Zaire drohe wieder eine explosive Eskalation.
New York, 7. Aug. (ap) Der Sicherheitsrat der Uno hat einstimmig der Stationierung von 90 Verbindungsoffizieren der Vereinten Nationen in Kongo-Zaire zugestimmt, die eine Friedensmission der Uno vorbereiten sollen. Uno-Generalsekretär Kofi Annan hatte am Donnerstag ungeachtet der Berichte über Luftangriffe gegen Rebellen in zwei Städten erklärt, er wolle an der Entsendung der Verbindungsoffiziere festhalten. Sie sollen den Grundstein legen für die künftige Friedensmission zur Umsetzung des Friedensabkommens von Mitte Juli. Für eine Friedenstruppe werden nach Schätzungen der Uno mindestens 25 000 Soldaten benötigt.
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