


 
Kosovaren greifen Kfor-Soldaten an
Internationale Truppe gerät zwischen die Fronten
In Kosovo haben sich französische Kfor-Soldaten am Wochenende Handgreiflichkeiten mit aufgebrachten Kosovo-Albanern geliefert. Jugoslawiens Staatschef Slobodan Milosevic beschimpfte die Opposition in Serbien als "verlängerten Arm" der Nato.
FRANKFURT A. M., 8. August (ap/rtr/ dpa). Rund 150 wütende albanische Demonstranten bewarfen am Sonntag in der Stadt Kosovoska Mitrovica Kfor-Soldaten mit Steinen und beschimpften sie als Terroristen. Augenzeugen berichteten von heftigen Rangeleien. Am Vortag hatten fast 1000 Kosovo-Albaner versucht, eine Brücke über den Fluss Ibar zu überqueren, der die Stadt in einen serbischen und einen albanischen Teil trennt. Die französische Kfor-Truppe blockierte jedoch die Brücke und hielt die aufgebrachten Albaner von rund 200 demonstrierenden Serben auf der anderen Seite fern.
Die Albaner beklagten, Serben und Kfor-Soldaten hinderten sie daran, in ihre Häuser auf der serbischen Seite zurückzukehren. Die Serben wiederum verlangten Schutz vor Racheakten. Die Kfor berichtete von mehreren Granatanschlägen gegen Serben in Kosovo, bei denen zehn Menschen verletzt worden seien.
Bei einer Razzia stellte die Kfor in der Nacht zum Samstag in einem Haus des UCK-Führers Rexhep Selimi in Pristina "eine sehr große Menge Waffen" sowie Munition sicher. Selimi ist ein ranghoher Vertreter der Freischärlerorganisation und deren selbst ernannter "Minister für öffentliche Ordnung".
Kfor-Sprecher Major Jan Joosten äußerte sich besorgt über zunehmende Angriffe auf die internationale Truppe, die vor dem Hintergrund der Übergriffe von Albanern gegen die serbische Minderheit stünden. Allein in der Nacht zum Freitag wurden sieben Vorfälle gemeldet; dabei wurde ein russischer Soldat verwundet.
Der zivile Aufbau in Kosovo geht nach Ansicht des Brigadegenerals Fritz von Korff zu langsam voran. Der bisherige Kommandeur der deutschen Truppen in Kosovo sagte im Deutschlandfunk: "Die zivile Verwaltung kommt, gewünscht hätte ich mir, dass sie schneller kommt." Viele Fragen seien ungelöst: Eigentumsfragen, Baugenehmigungen, die Leitung des Krankenhauses, das Schulwesen. Auch von Korffs Nachfolger Wolfgang Sauer hatte bereits den Aufbau ziviler Strukturen angemahnt: "Hier funktioniert gegenwärtig überhaupt nichts", sagte Sauer.
In seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Beginn der Demonstrationen in Serbien vor rund vier Wochen bezeichnete Jugoslawiens Präsident Slobodan Milosevic die Opposition als "verlängerten Arm des Bösen". Die Proteste seien die "Fortsetzung der Aggression" der Nato, sagte er im staatlichen Fernsehen. Er werde sich dem Druck nicht beugen.
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Copyright © Frankfurter Rundschau 1999
Dokument erstellt am 08.08.1999 um 20.45 Uhr
Erscheinungsdatum 09.08.1999
 
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