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NZZ TagesausgabeNeue Zürcher Zeitung AUSLAND Dienstag, 31.08.1999 Nr. 201 7
Die Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) verweigert weiterhin jegliche Auskunft über das Schicksal von Personen, die nach Angaben von Angehörigen von bewaffneten Einheiten der Kosovo- Albaner entführt wurden. Wie die ehemalige Leiterin der Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Kosovo, Edith Baeriswyl, am Montag an einer Pressekonferenz in Genf erklärte, dementieren Vertreter der Kosovo-Albaner weiterhin jegliche Berichte, wonach die UCK Kosovo-Serben in ihrer Gewalt habe. Wie Baeriswyl erklärte, verzeichnete die humanitäre Organisation in den vergangenen Monaten mehrere Dutzend Gesuche von Kosovo- Serben zur Klärung des Schicksals von angeblich von Albanern entführten Angehörigen. Ungewiss ist nach Angaben des Leiters der IKRK-Task-Force für den Balkan, Pierre Kraehenbuehl, auch weiterhin die Zahl der Kosovo- Albaner, die sich in der Gewalt der jugoslawischen Behörden befinden. Das IKRK habe in den vergangenen Wochen Zugang zu etwa 2000 Kosovo-Albanern in Haftanstalten der Bundesrepublik Jugoslawien erhalten. Vertreter der Kosovo-Albaner schätzten die Zahl der von den jugoslawischen Behörden gefangengehaltenen Personen dagegen auf etwa 5000. Es sei zurzeit äusserst schwierig einzuschätzen, wie viele weitere Personen sich noch in Haftanstalten befänden. Wegen der grossen Bevölkerungsbewegung sei es dem IKRK bisher noch nicht möglich gewesen, festzustellen, wie hoch die Zahl der vermissten Kosovo-Albaner insgesamt sei und wie viele der Vermissten vermutlich nicht mehr am Leben seien. Der Exodus und die Rückkehr Hunderttausender in einer äusserst kurzen Zeitspanne verunmöglichten vorläufig die Veröffentlichung von genauen Zahlen. Unklar ist nach Angaben des IKRK zurzeit auch die Zahl der Serben und Roma, die in den vergangenen Wochen zum Verlassen Kosovos gezwungen worden sind. Nach Angaben der serbischen Behörden seien bisher zwischen 180 000 und 190 000 Serben und Roma vertrieben worden. Gemäss diesen Angaben sollen inzwischen nur noch etwa 30 000 Serben in Kosovo verblieben sein. Wie Kraehenbuehl erklärte, hilft die humanitäre Organisation zurzeit den Vertriebenen dieser beiden Bevölkerungsgruppen bei der Suche nach Verwandten und Bekannten. Zudem habe das IKRK Hilfsprogramme für insgesamt 200 000 Vertriebene in der Bundesrepublik Jugoslawien gestartet. Die Bedürftigen würden vor allem mit Lebensmitteln und medizinischen Gütern unterstützt. Das IKRK werde zudem bis zu 100 000 Personen, die während der Angriffe der Nato in der Bundesrepublik Jugoslawien Schäden erlitten haben, unterstützen, erklärte der Leiter der Task- Force weiter.
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