Neue Zürcher Zeitung AUSLAND Dienstag, 21.12.1999 Nr.297   2

Kriegsverbrechen
in Südangola

Berichte des südafrikanischen Fernsehens

    

    Die angolanischen Regierungsstreitkräfte haben bei ihrer Offensive, die sie in Nordnamibia gegen die Rebellenbewegung Unita begonnen hatten, unweit der Grenze schwere Menschenrechtsverletzungen begangen, wie eine Equipe des staatlichen südafrikanischen Fernsehens SABC berichtete. Augenzeugen beobachteten, wie angolanische Soldaten Zivilisten am Nordufer des Kavango-Flusses zusammentrieben und sie später im Busch erschossen. Reporter fanden bei einem Rundgang neun Leichen von Männern, die durch Kopfschüsse getötet worden waren. Teilweise waren die Leichen verstümmelt und angesengt. Gegenüber der östlich von Rundu gelegenen Manyana Lodge wurden auf angolanischem Territorium sämtliche Hütten im Umkreis von mehr als einem Quadratkilometer niedergebrannt.

    Die Vermutung liegt nahe, dass die angolanische Armee gegenüber Zivilisten, unter denen sie Sympathisanten der Unita vermutet, eine gnadenlose Politik der verbrannten Erde betreibt. Angolanische Soldaten prahlten in Tavernen des Caprivi-Zipfels, dass sie die Bewegung des Rebellenführers Jonas Savimbi innert Wochen aufreiben würden. Jegliche Aussagen dieser Art seien reiner Unsinn, meint dazu Richard Cornwell, Analytiker am Institute for Security Studies in Pretoria. Was vielmehr passiere, sei eine Reorganisation der Unita-Kräfte in ganz Angola und eine Rückkehr zur Guerilla-Kriegführung. Als problematisch an der neuesten Phase des angolanischen Bürgerkriegs bezeichnet er jedoch die Ausdehnung der Operationen in den Norden Namibias. Hier bringe die Kriegführung neue Unruhe in den durch den Konflikt des auslaufenden Jahres bereits unruhigen Caprivi-Zipfel. Gegen angolanische Ziele setzten die Regierungsstreitkräfte auch schweres Geschütz ein. Beobachter sagten gegenüber der unabhängigen Zeitung «The Namibian», dass die Streitkräfte Luandas Mehrfachraketenwerfer von namibischem Boden aus eingesetzt hätten. Betroffen vom Konflikt ist auch die Zivilbevölkerung auf der namibischen Seite. Wie eine Nichtregierungsorganisation in Windhoek mitteilte, verhafteten die namibischen Sicherheitskräfte in den vergangenen zehn Tagen zwischen 1500 und 2000 Zivilpersonen, namentlich solche, die keine Ausweise auf sich trugen. Wie die Unita auf die von Namibia logistisch unterstützte Offensive reagieren wird, ist noch ungewiss. Die «Allgemeine Zeitung» in Windhoek bezeichnet die zweite Front gegen die Unita insofern als schlechte Nachricht, als die Unita jederzeit Terroranschläge gegen wirtschaftliche Ziele in Namibia ausführen könnte.

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