Neue Zürcher Zeitung AUSLAND Dienstag, 25.04.2000 Nr.96 1
Teheran, 24. April. (Reuters/ap) In Iran sind laut der Agentur Irna 14 reformorientierte Zeitungen und Zeitschriften verboten worden. Unter Berufung auf das Justizministerium hiess es, die Blätter hätten trotz Warnungen weiter Material veröffentlicht, das den Islam und die religiösen Elemente der Revolution verunglimpfe. Redaktoren sprachen demgegenüber von einer Massnahme ohne rechtliche Grundlage. Sie kündigten an, gegen das Verbot kämpfen zu wollen und ihre Zeitungen und Zeitschriften so bald wie möglich wieder zu drucken.
An Zeitungskiosken in Teheran machte sich unter den Lesern der Reformblätter Wut breit. Die Konservativen hätten mit dem Zeitungsverbot ihr eigenes Todesurteil unterzeichnet, sagte etwa ein Leser der Zeitung «Asr e-Asadegan». Der Sprecher der Reformkoalition, Nabawi, rief die Öffentlichkeit zur Ruhe auf. Die Reformer seien gegen unüberlegte Handlungen, die den Anstiftern zur Gewalt nur in die Hände spielten.
Am Samstag war der Reporter Akbar Ganji, der bekannteste Enthüllungsjournalist des Landes, vor Gericht geladen und dort wegen Verletzung des Pressegesetzes verhaftet worden. Er hatte Bücher über die Ermordung von fünf Dissidenten veröffentlicht, die zu Bestsellern wurden. Darin warf er konservativen Kräften vor, für die Morde verantwortlich zu sein. Am Sonntag wurde der geschäftsführende Herausgeber der bereits verbotenen Zeitung «Neshat», Safari, verhaftet. Ihm wird, wie sein Sohn mitteilte, Beleidigung des Islams vorgeworfen. Safari war im September vergangenen Jahres wegen seiner Artikel über die Studentenunruhen im Juli in Teheran zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.
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