Neue Zürcher Zeitung AUSLAND Mittwoch, 19.04.2000 Nr.93   2

Serbien stellt 144 Kosovo-Albaner vor Gericht

Niš, 18. April. (ap) Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat am Dienstag in Niš, südlich von Belgrad, einer der grössten Prozesse in der Geschichte Serbiens begonnen. Den angeklagten 144 Kosovo-Albanern - allesamt Männer - werden terroristische Handlungen gegen serbische Sicherheitskräfte in Kosovo vorgeworfen, darunter die Ermordung von drei serbischen Polizisten und die Verwundung von mindestens sieben weiteren. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen 15 Jahre Haft. Menschenrechtsgruppen bezeichneten das Verfahren als politischen Prozess und erklärten, die Angeklagten seien wahllos verhaftet worden. Die 144 Männer wurden während der Nato-Luftangriffe gegen Jugoslawien im vergangenen Jahr in Djakovica, rund 50 Kilometer südwestlich von Pristina, festgenommen. Nach dem Ende des Kosovo-Krieges nahmen die abziehenden serbischen Truppen mehr als 2000 Albaner aus der Provinz unter dem Vorwurf des Terrorismus fest. Nach Schätzungen der Uno-Mission in Kosovo sitzen noch immer 1500 Kosovo- Albaner in serbischen Gefängnissen.

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