Neue Zürcher Zeitung AUSLAND Mittwoch, 10.05.2000 Nr.108   2

Serbiens Opposition sagt Kundgebung in Pozarevac ab

Festnahmen und Einschüchterungen

(ap) Angesichts massiver Einschüchterung und mehrerer Festnahmen durch die Polizei hat die jugoslawische Opposition eine Kundgebung abgesagt, die am Dienstag in Pozarevac, dem 80 Kilometer südöstlich von Belgrad gelegenen Geburtsort des jugoslawischen Präsidenten Milosevic, hätte stattfinden sollen. Die Demonstration soll nun am Montag in Belgrad abgehalten werden. Die Organisatoren begründeten die Absage in einer Erklärung damit, die Regierung habe Zusammenstösse auslösen wollen. «Wir wollen keinen Krieg anzetteln, sondern dieses Regime friedlich entfernen», sagte der Oppositionsführer Djindjic. Im Vorfeld hatte die Regierung versucht, die Organisatoren einzuschüchtern. Polizisten riegelten am Dienstag morgen die Zufahrtsstrassen nach Pozarevac ab und stoppten Busse und Personenwagen, mit denen die Demonstranten zu der Kundgebung gelangen wollten.

In Novi Sad nahm die Polizei 25 Studenten und einige Journalisten beim Verteilen von Flugblättern fest. In der Nacht zum Dienstag hatte die Polizei zwei Oppositionelle in Pozarevac verhaftet, die erst am Vortag aus der Haft entlassen worden waren, wie ihre Familien mitteilten. Auch drei Journalisten, die für die Nachrichtenagentur Beta und die unabhängigen Zeitungen «Danas» und «Blic» arbeiten, wurden festgenommen. Die meisten ausländischen Journalisten mussten Pozarevac in Begleitung von Polizisten verlassen.

Die serbische Polizei hat am Montag in Kraljevo den Journalisten Miroslav Filipovic festgenommen, der für die Zeitung «Danas» schreibt. Wie seine Familie am Dienstag berichtete, beschlagnahmten die Polizisten seinen Pass, sein Adressbuch, mehrere Artikel sowie die Festplatte des Computers. Filipovic hatte mehrere Texte über Greueltaten und Massaker der Armee und der serbischen Polizei in Kosovo verfasst, zum Teil unter Berufung auf Angehörige der jugoslawischen Streitkräfte.

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