amnesty international
Urgent Action

UA-Nr: UA-179/2000
AI-Index: AFR 62/013/2000
Datum: 26.06.2000

WILLKÜRLICHE FESTNAHME / DROHENDE FOLTER




DR Kongo: sechs Mitglieder der "Fraternité Nationale de prison au Congo" (FNPC):
Pastor Tshisumpa
Jonas Mukamba
Pastor Nkashama
Frau Mianda Tshimona und ihr Baby
M. Tshitenge
Christophe Tshimona

Frau Mieke Rang, niederländische Mitarbeiterin einer Nichtregierungsorganisation
Kalobo, ihr Fahrer
Frau Caroline Pare, BBC-Fernsehproduzentin
Pierre Mombele, ihr Assistent

Die zehn oben genannten Menschen sind alle kürzlich in Kinshasa, der Hauptstadt der DR Kongo (vormals Zaire), festgenommen worden. Sie sind in höchster Gefahr, im Gewahrsam der kongolesischen Sicherheitskräfte gefoltert zu werden.

Am 23. Juni 2000 wurden vier Mitglieder der Gefangenenhilfsorganisation "Fraternité Nationale de prison au Congo" (FNPC) in der Wohnung von Jonas Mukamba Kadiata vom Staatssicherheitsdienst "Détection militaire des activités anti-patries – DEMIAP" (Militärische Fahndung nach unpatriotischen Aktivitäten) in Haft genommen worden: Pastor Tshisumpa, der Vorsitzende der FNPC, Jonas Mukamba Kadiata, Pastor Nkashama und Mianda Tshimona. Gleichzeitig festgenommen wurden auch Mieke Rang, eine Niederländerin, die von der FNPC nach Kinshasa eingeladen worden war, und ihr Fahrer Kalobo. Sie wurden zur DEMIAP-Haftanstalt in Kinshasa gebracht, wo nach Kenntnis von amnesty international Folter gängige Praxis ist. Man hat den Festgenommenen bislang den Kontakt zu ihren Familienangehörigen und Rechtsanwälten verwehrt.

Am 24. Juni 2000 wurden M. Tshitenge und Christophe Tshimona, zwei weitere FNPC-Mitglieder, inhaftiert, als sie sich nach den Gründen für die Festnahme der anderen Personen erkundigen wollten. Caroline Pare, eine Fernsehproduzentin des britischen Fernsehsenders "British Broadcasting Corporation" (BBC), und ihr Assistent Pierre Mombele sind ebenfalls am 24. Juni 2000 nahe des Hauses von Jonas Mukamba Kadiata festgenommen worden, das von den Sicherheitskräften observiert wurde. Frau Mianda Tshimona konnte später an dem Tag ihr acht Monate altes Baby in die Arme schließen. Nach Kenntnis von amnesty international ist gegen keinen der Festgenommenen Anklage wegen einer erkennbar strafbaren Handlung erhoben worden.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Nach den Festnahmen vom 24. Juni 2000 haben Sicherheitsbeamte des DEMIAP das Haus von Jonas Mukamba Kadiata durchsucht und Berichten zufolge mehrere Dokumente beschlagnahmt, was darauf hindeutet, dass die Festnahmen allein mit dem friedlichen Menschenrechtsengagement der FNPC-Mitglieder zusammenhängen. Jonas Mukamba Kadiatas Haus wird weiterhin observiert, sodass zu befürchten ist, dass weitere FNPC-Mitglieder inhaftiert werden könnten.

Jonas Mukamba Kadiata, der ehemalige Direktor der staatlichen Diamantenschürfgesellschaft, war bereits im April 1997 einmal von der bewaffneten Oppositionsgruppe gefangen genommen worden, mit welcher später der jetzige Staatspräsident Laurent-Désiré Kabila an die Macht kam. Man ließ Jonas Mukamba Kadiata damals zwei Monate später wieder frei.

Menschenrechtsverteidiger werden genauso wie gewaltlose Oppositionelle, Journalisten und Gewerkschafter immer wieder Opfer von Menschenrechtsverletzungen seitens der Behörden der DR Kongo, die damit versucht, tatsächliche oder vermeintliche Kritik an der Regierung von Staatspräsident Laurent-Désiré Kabila zu unterdrücken. Sicherheitsbehörden, zu denen auch DEMIAP gehört, sind zum größten Teil für die Ausführung dieser Repressionsmaßnahmen verantwortlich. Folter und Misshandlung in den Haftanstalten dieser Sicherheitskräfte sind an der Tagesordnung.

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe, Telegramme, E-Mails oder Luftpostbriefe, in denen Sie

  • sich angesichts der offensichtlich willkürlichen Festnahme der oben genannten Personen am 23. und 24.Juni 2000 durch Sicherheitsbeamte des DEMIAP besorgt zeigen;
  • die Befürchtung äußern, sie könnten in der DEMIAP-Haftanstalt in Kinshasa gefoltert werden, und die Behörden auffordern, umgehend wirksame Schritte einzuleiten, um dies zu verhindern;
  • darauf dringen, dass die Inhaftierten umgehend Zugang zu ihren Familienangehörigen, Rechtsanwälten und erforderlichenfalls auch zu medizinischer Versorgung erhalten;
  • sich nach den gegen sie erhobenen Anklagen erkundigen;
  • ihre sofortige und bedingungslose Freilassung fordern, sofern sie nicht einer erkennbar strafbaren Handlung angeklagt werden.

    APPELLE AN:

    Président Laurent-Désiré Kabila, Président de la République, Présidence de la République, Kinshasa-Ngaliema, DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO (Staatspräsident - korrekte Anrede: Monsieur le Président de la République)
    Telegramm: president kabila, kinshasa, demokratische republik kongo
    E-Mail: UPP@ic.cd
    Telefax: (00 243) 880 2120

    M. Mwenze Kongolo, Ministre de la Justice, Ministère de la Justice, BP 3137, Kinshasa Gombe, DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO (Justizminister - korrekte Anrede: Monsieur le Ministre)
    Telegramm: ministre justice, kinshasa, demokratische republik kongo

    KOPIEN AN:

    M. Léonard She Okitundu, Ministre des Droits de l'Homme, Ministère des Droits de l'Homme, Kinshasa-Gombe, DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO (Minister für Menschenrechte - korrekte Anrede: Monsieur le Ministre)

    Kanzlei der Botschaft der Demokratischen Republik Kongo
    Im Meisengarten 133, 53179 Bonn - Telefax: (0228) 34 99 89

    Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in urgent actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 7. August 2000 keine Appelle mehr zu verschicken.

    RECOMMENDED ACTION: Please send e-mails/ telegrams/telexes/faxes/express/airmail letters in French or English or your own language:

    - expressing concern at the apparently arbitrary arrest of FNPC members and others on 23 and 24 June 2000 by members of DEMIAP

    - expressing your fear that those arrested may be at risk of torture in the DEMIAP detention centre in Kinshasa and urging the authorities to take immediate steps to ensure that torture does not take place;

    - urging that the detainees be given immediate access to lawyers and relatives and to any medical treatment which they might require;

    - seeking clarification of what charges, if any, have been laid against the detainees;

    - urging their immediate and unconditional release if they are not to be charged with a recognizably criminal offence.


    amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V., 53108 Bonn
    Telefon: 0228/983 73 - 0 - Telefax: 0228/63 00 36 - Email: ua-de@amnesty.de
    Spendenkonto: 80 90 100 - BfS (Köln) - BLZ 370 205 00