amnesty international
Urgent Action

UA-Nr: UA-196/2000
AI-Index: ASA 20/028/2000
Datum: 05.07.2000

DROHENDE FOLTER




Indien: Häftlinge des Gefängnisses "Arthur Road" in Mumbai (Bombay)

Berichten zufolge sind Häftlinge des Gefängnisses "Arthur Road" in Mumbai von Aufsehern geschlagen und gefoltert worden. Folter und Misshandlungen sind nach vorliegenden Informationen in dieser Haftanstalt gängige Praxis.

Am Morgen des 19. Juni 2000 gab es zwischen zwei Insassen einer überfüllten Gefängniszelle eine gewalttätige Auseinandersetzung. Ein leitender Justizvollzugsbeamter (Circle Officer), und weitere Gefängnisbeamte griffen daraufhin die Häftlinge wahllos mit Rasierklingen und Holzstangen (lathis) an und verletzten rund 40 Häftlinge. Den Berichten zufolge erlitten drei Personen Knochenbrüche. In der auf 50 Häftlinge ausgerichteten Zelle befanden sich 180 Menschen. Vier Personen haben bei einem Gericht (Sessions Court) Anzeige erstattet.

Nach den vorliegenden Informationen erpresste der leitende Justizvollzugsbeamte von einigen der Häftlinge Geld und schlug sie, wenn sie nicht zahlen wollten. Er streitet ab, Häftlinge gefoltert zu haben, und behauptete, er hätte geschrien, damit die Häftlinge zu kämpfen aufhörten, aber sie hätten nicht auf ihn gehört. Schließlich habe er die Zellen öffnen müssen, um die Kämpfe zu beenden.

Die nichtstaatliche Menschenrechtsorganisation "Nirbhay Bano Andolan" hat vor dem Strafgericht (High Court) auf Grund der Vorkommnisse am 19. Juni 2000 und der generellen Haftbedingungen Strafanzeige erstattet. Die Organisation hat Aussagen von Inhaftierten festgehalten, die angaben, geschlagen worden zu sein. Berichten zufolge hat der "Circle Officer" den Gefängnisinsassen gedroht, sollten sie mit den Behörden reden. Einem Häftling hat er mit "furchtbaren Konsequenzen" gedroht. Die Anwälte der Inhaftierten dürfen ihre Mandanten nur während der Gerichtsverhandlungen treffen. Nachdem die Zeitung "Asian Age" zahlreiche Artikel über den Vorfall veröffentlicht hat, dürfen deren Journalisten das Gefängnis seit Ende Juni dieses Jahres nicht mehr betreten.

Berichten zufolge hat keiner der Häftlinge eine angemessene medizinische Behandlung erhalten. Insassen gaben an, dass Justizvollzugsbeamte allen unabhängig von der Art der Verletzung das gleiche Medikament verschrieben hatten. Ein Häftling beschuldigte die Beamten, medizinische Atteste gefälscht zu haben, nachdem ein Richter angeordnet hatte, alle Inhaftierten in einem staatlichen Krankenhaus behandeln zu lassen. Nur zwei Personen haben angegeben, medizinisch korrekt versorgt worden zu sein.

amnesty international liegen zahlreiche Berichte über Misshandlungen von Häftlingen durch Gefängnisbeamten in Indien vor, wo häufig grausame, unmenschliche und erniedrigende Haftbedingungen herrschen.

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe, Telegramme oder Luftpostbriefe, in denen Sie

  • sich besorgt darüber zeigen, dass Justizvollzugsbeamte des Gefängnisses "Arthur Road" beschuldigt werden, Häftlinge gefoltert und misshandelt zu haben;
  • die Behörden auffordern, dafür Sorge zu tragen, dass die Häftlinge keinen weiteren Misshandlungen ausgesetzt werden;
  • die Behörden auffordern, umgehend eine unparteiische Untersuchung über die Foltervorwürfe einzuleiten, und den Ermittlern ungehinderten und uneingeschränkten Zugang zum Gefängnis und den Insassen zu gewähren;
  • fordern, dass die verwundeten Gefängnisinsassen, eine angemessene medizinische Versorgung erhalten;
  • die Behörden auffordern, den Gefängnisinsassen den Kontakt zu ihren Rechtsanwälten und Familienangehörigen zu gewähren.

    APPELLE AN:

    Vilasrao Deshmukh, Chief Minister of Maharashtra, Office of the Chief Minister, Mantralaya, Mumbai 400 032, Maharashtra, REPUBLIK INDIEN
    (Chef der Landesregierung von Maharashtra – korrekte Anrede: Dear Chief Minister)
    Telegramm: chief minister of mharashtra, mantralaya, mumbai, maharashtra, indien
    Telefax: (00 91) 22 202 2940

    KOPIEN AN:

    Chhagan Bhujbal, Home Minister of Maharashtra, Office of the Home Minister, Mantralaya, Mumbai 400 032, Maharashtra, REPUBLIK INDIEN (Innenminister des Bundesstaates Maharashtra – korrekte Anrede: Dear Home Minister)

    Mr. L. K. Advani, Minister of Home Affairs, Ministry of Home Affairs, North Block, New Delhi 110 001, REPUBLIK INDIEN (Innenminister der Zentralregierung - korrekte Anrede: Dear Minister)
    Telefax: (00 91) 11-301 5750

    Kanzlei der Botschaft der Republik Indien, Pohlstr. 20, 10785 Berlin
    Telefax: (030) 48 53 000 - (S. E. Herrn Ranendra Sen)

    Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Hindi, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in urgent actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 16. August 2000 keine Appelle mehr zu verschicken.

    RECOMMENDED ACTION: Please send telegrams/telexes/faxes/express/airmail letters in English or your own language:

    - expressing concern at allegations that prison officers tortured and ill-treated inmates in Arthur Road Jail;

    - urging the authorities to ensure that the inmates are protected from further abuse;

    - urging the authorities to conduct a prompt, impartial inquiry into the allegations of torture, with those carrying out the inquiry given full and unhindered access to the jail and its inmates;

    - urging the authorities to ensure that all the inmates who were attacked receive adequate medical treatment;

    - urging the authorities to ensure that the inmates have access to their lawyers and relatives.


    amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V., 53108 Bonn
    Telefon: 0228/983 73 - 0 - Telefax: 0228/63 00 36 - Email: ua-de@amnesty.de
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