Serbischer Journalist verurteilt SchnellSuche im taz-Archiv (12 Jahre) Der Reporter Filipovic berichtete über Gräueltaten serbischer Truppen im Kosovo. Das Gericht verurteilte dies als Verbreitung von [FLAGAB0] Falschmeldungen und Militärspionage [GBI-Datenbank] NIS ap/taz [Image] Ein serbischer Reporter, der von Gräueltaten serbischer Truppen im Kosovo berichtet hatte, ist gestern Nachmittag zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Miroslav Filipovic wurde von einem Militärgericht in Nis der Spionage für ausländische Geheimdienste und der Verbreitung falscher Information schuldig befunden. Der Journalist hatte für die unabhängige Tageszeitung Danas und auch für die französische Nachrichtenagentur AFP geschrieben. Die Texte des Reporters wurden außerdem über das Internet verbreitet. Der zweitägige Prozess hatte weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Noch gestern Vormittag hatte es jedoch nach einer Vertagung des Urteils ausgesehen, da das Gericht überraschend neue Zeugen angehört hatte. Filipovic war am 8.Mai in seiner Wohnung im serbischen Kraljevo festgenommen worden, nach einigen Tagen jedoch auf freien Fuß gesetzt und dann am 22. Mai erneut verhaftet worden. Seitdem sitzt er in einem Militärgefängnis in Nis ein. Neben seiner journalistischen Arbeit engagierte Filipovic sich in mehreren unabhängigen Organsiationen für die Wahrung der Menschenrechte. Die Menschenrechtsorganisation amnesty international protestierte daher auch scharf gegen den Prozess. "Statt Miroslav Filipovic wegen seiner journalistischen Arbeit zu verfolgen, sollten die jugoslawischen Behörden die Anschuldigungen in seinen Artikeln untersuchen", hieß es in einer Erklärung. Auch mehrere serbische Oppositionsparteien und der regimekritische Journalistenverband hatten die Freilassung von Filipovic verlangt. Der serbische Journalist hatte unter anderem den Bericht eines jugoslawischen Armeeführers zitiert, er habe gesehen, wie ein Soldat einen dreijährigen Jungen vor den Augen der Familie köpfte. Ein anderer Armeeangehöriger erzählte in den Artikeln von Panzerangriffen auf ein kosovo-albanisches Dorf, bevor eine paramilitärische Truppe die Überlebenden niedergemetzelt habe. Die Anklage hatte Filipovic vorgeworfen, die Berichte über Massaker an Kosovo-Albanern, Angriffe und Plünderungen seien falsch. Außerdem soll er einen geheimen Militärbericht veröffentlicht haben. Filipovic wies die Vorwürfe, er habe geheime Berichte verwendet, zurück. Seine Informationen seien aus öffentlichen Quellen gewesen. veränderter Artikel in taz-Ffm taz Nr. 6203 vom 27.7.2000 Seite 2 Aktuelles 78 Zeilen TAZ-Bericht © Contrapress media GmbH Vervielfältigung nur mit Genehmigung des taz-Verlags