Frankfurter Rundschau online 13.09.2000 Guinea will Flüchtlinge frei lassen

Oppositionsführer Condé zu fünf Jahren Haft verurteilt

NAIROBI/GENF, 12. September (cli/epd/dpa). Die Behörden im westafrikanischen Guinea haben laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zugesagt, alle am Wochenende festgenommenen Flüchtlinge aus Sierra Leone und Liberia unverzüglich freizulassen. Etwa 1000 Personen seien am Montag frei gekommen, sagt UNHCR-Sprecher Kris Janowski am Dienstag in Genf. Am Wochenende hatte die Polizei in Guinea 3000 Flüchtlinge inhaftiert, nachdem Rebellenorganisationen aus den Nachbarländern Sierra Leone und Liberia Grenzorte in Guinea angegriffen hatten. Liberia will seine Landsleute schnellstmöglichst aus Guinea evakuieren, wie lokale Rundfunksender meldeten.

Der Führer der oppositionellen Volkspartei Guineas, Alpha Condé, ist zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Er soll angeblich einen Staatsstreich gegen Präsident Lansana Conté vorbereitet haben. Der Staatschef machte Unterstützer seines politischen Gegners mitverantwortlich für die jüngsten grenzübergreifenden Rebellenattacken. Der Prozess gegen den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Condé hatte das Land zwei Jahre lang in Atem gehalten. Solange musste der Führer der Volkspartei (RPG) hinter Gittern auf einen Richterspruch warten. Mehrfach prangerten Menschenrechtsverbände die Verschleppung des Prozesses an. Das Gerichtsurteil fällt jedoch milde aus, gemessen an der Forderung des Staatsanwaltes, der lebenslänglich verlangt hatte. Die Richter hatten den Politiker des "Angriffs auf die Autorität des Staates" für schuldig befunden. Auch sieben von 47 Mitangeklagten wurden zu Haftstrafen von 18 Monaten bis zu drei Jahren verurteilt.

Condé war im Dezember 1998 kurz nach den Präsidentenwahlen nahe der Grenze zur Elfenbeinküste verhaftet worden. Langzeitpräsident Conté konnte damals wieder die Wahl für sich entscheiden. Die Staatsanwaltschaft warf Wahlverlierer Condé nun vor, er habe insgeheim das Land verlassen und vom Ausland mit Waffengewalt eine Destablisierung Guineas vorbereiten wollen. Condé, ein Geschäftsmann und in Guinea als schillernde Persönlichkeit bekannt, streitet dies energisch ab: Er sei durchs Land gereist, um seinen Wahlhelfern zu danken, sagte der 60-Jährige.

 

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Dokument erstellt am 12.09.2000 um 21:04:46 Uhr
Erscheinungsdatum 13.09.2000