Frankfurter Rundschau online 05.09.2000
IM BLICKPUNKT Beziehung zu Vatikan belastet Von Harald Maass (Peking) Chinas Regierung hat ihre Kampagne gegen christliche Untergrundkirchen verschärft. In den vergangenen Wochen wurden mehr als 150 Priester, Nonnen und Laien festgenommen, berichten Kirchenkreise und Menschenrechtler. Eine Annäherung zwischen Peking und dem Vatikan scheint damit in weite Ferne gerückt zu sein. Beobachter berichten in jüngster Zeit von zahlreichen Maßnahmen gegen Christen: Der römisch-katholische Weihbischof der Provinz Hebei, Jiang Mingyuan, wurde am 26. August von Beamten der Sicherheitspolizei verschleppt, wie der Vatikan-Nachrichtendienst Fides berichtet. Ebenfalls im August wurden laut der US-amerikanischen Kardinal-Kung-Stiftung 24 Katholiken in der Provinz Fujian verhaftet. Und vor drei Wochen waren in der Provinz Henan 130 Mitglieder der christlichen Fangcheng-Gemeinde bei einer Großrazzia der Polizei festgenommen worden. Die von amerikanischen Missionaren unterstützte Fangcheng-Gemeinde habe ernsthaft das "normale Leben" der Bevölkerung beeinträchtigt, sagte ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums am Dienstag. Die Festnahmen sind nach Ansicht von Beobachtern Teil der Anti-Religionskampagne, die durch das Verbot der Falun- Gong-Bewegung ausgelöst wurde. Sie deuten aber auch auf neue Verhärtungen in den Beziehungen zwischen Peking und dem Vatikan hin. Seit Beginn der Reformpolitik erlebt das Christentum in China regen Zulauf. Nach offiziellen Angaben gibt es derzeit zehn Millionen chinesische Protestanten und vier Millionen Katholiken, die in der staatlichen Kirche organisiert sind. Der Vatikan spricht dagegen von mindestens acht Millionen papsttreuen Christen, von denen viele heimlich in Hauskirchen ihren Glauben praktizieren. China erkennt seit 1951 den Vatikan und die Autorität des Papstes offiziell nicht an. Zwar dürfen chinesische Christen seit den achtziger Jahren ihren Glauben einigermaßen frei praktizieren. Priester und Bischöfe dürfen jedoch nur von der staatlichen "Katholischen Patriotischen Kirche Chinas" eingesetzt werden - eine Praxis, die seit Jahren zu Konflikten mit Rom führt. Ein Haupthindernis für eine Einigung sind bislang die diplomatischen Beziehungen des Vatikan zu Taiwan. Pekings Kommunisten sehen in der Insel eine abtrünnige Provinz und verlangen von Rom, die Volksrepublik als einzige legitime Regierung Chinas anzuerkennen. Im vergangenen Jahr schien sich dennoch eine Annäherung anzudeuten: In einer Art stillschweigenden Zusammenarbeit begann der Vatikan, eine Reihe der offiziellen "patriotischen" Priester und Bischöfe anzuerkennen. Manche Beobachter sahen diese Übereinkunft bereits als Vorbereitung für die Aufnahme ordentlicher Beziehungen zwischen Peking und Rom. Diese Verhandlungen scheinen nun geplatzt. Statt der Annäherung an Rom versuchen die Kommunisten die Gläubigen der Untergrundkirche einzuschüchtern: Als im Februar der Erzbischof von Fuzhou, Yang Shudao, festgenommen wurde, stürmten kurz vor Mitternacht 150 Polizisten sein Haus. Der Bischof ist 81 Jahre alt. [ document info ]
Christen in China stark unter Druck
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Dokument erstellt am 05.09.2000 um 21:03:31 Uhr
Erscheinungsdatum 06.09.2000