Mitglieder der Menschenrechtsorganisationen ASFADDES und CREDHOS sowie weitere Menschenrechtler in der Region Magdalena Medio befinden sich in Gefahr, nachdem sie in einem Flugblatt der paramilitärischen Gruppe AUC (Autodefensas Unidas de Columbia) zu "militärischen Zielen" erklärt worden sind. Die Flugblätter waren in den Toiletten eines Gebäudes in Barrancabermeja in der Region Magdalena Medio hinterlassen worden, wo vom 29. bis 30. September 2000 eine Menschenrechtskonferenz stattfand.
In ihrer Erklärung haben die Paramilitärs Menschenrechtler und Mitarbeiter von CREDHOS und ASFADDES als Guerillasympathisanten dargestellt, die von nun an von ihrer Organisation als "militärische Ziele" angesehen würden. Sie beschuldigen die Menschenrechtler, die AUC als Friedensfeinde darzustellen, anstatt die Verbrechen der Guerilla zu publizieren. Weiterhin drohen sie damit, die Menschenrechtler umzubringen, falls diese die Region nicht verlassen würden. Die Paramilitärs führen eine "schwarze Liste", auf der die bedrohten Menschenrechtler stehen.
An der Menschenrechtskonferenz "Por la vida y los Derechos Humanos" haben engagierte Bürger vieler kolumbianischer sozialer Organisation sowie nichtstaatliche Menschenrechtsorganisationen teilgenommen. Die Konferenz wurde unter anderem von der kolumbianischen Regierung ausgerichtet und von ausländischen Botschaften, den Vereinten Nationen sowie von internationalen Nichtregierungsorganisationen unterstützt. Die Konferenz zielte insbesondere darauf ab, die kolumbianische Regierung auf ihre Verpflichtung hinzuweisen, Menschenrechtler zu schützen.
Das regionale Menschenrechtskommittee "Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos – CREDHOS" hat ihren Hauptsitz in Barrancabermeja. CREDHOS-Mitglieder haben eine wichtige Rolle gespielt, als es darum ging, die internationale Aufmerksamkeit auf Menschenrechtsverletzungen, die von den Sicherheitskräften und deren paramilitärischen Verbündeten begangenen werden, sowie auf Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht, für die Guerillaeinheiten verantwortlich sind, zu lenken. Der Zusammenschluss der Angehörigen von "verschwundenen" Gefangenen "Asociación de Familiares de Detenidos Desaparecidos – ASFADDES" ist eine kolumbianische nichtstaatliche Menschenrechtsorganisation, in der sich Familienangehörige von "Verschwundenen" zusammengeschlossen haben, um das Schicksal ihrer Angehörigen aufzuklären und die für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Angehörige der kolumbianischen Streit- und Sicherheitskräfte begehen zusammen mit ihren paramilitärischen Verbündeten weiterhin nahezu straffrei schwere Menschenrechtsverletzungen. In den vergangenen fünf Jahren sind Tausende Zivilisten in Kolumbien von Angehörigen paramilitärischer Gruppen getötet worden. Obwohl die kolumbianische Regierung 1989 die rechtliche Grundlage zur Gründung paramilitärischer Organisationen aufgehoben und die kolumbianische Armee angewiesen hatte, solche Gruppen aufzulösen und zu bekämpfen, operieren die paramilitärischen Truppen nach wie vor mit der Unterstützung der Sicherheitskräfte in vielen Gebieten des Landes. Die Sicherheitskräfte und paramilitärische Einheiten werfen Mitgliedern von Menschenrechtsorganisationen immer wieder vor, Guerillaunterstützer oder –sympathisanten zu sein. Aufgrund dieser Beschuldigen werden Menschenrechtler häufig Opfer von Menschenrechtsverletzungen. Mehr als 25 Menschenrechtler sind in den vergangenen drei Jahren ermordet worden oder dem "Verschwindenlassen" zum Opfer gefallen.
Menschenrechtler, die bei CREDHOS, ASFADDES und anderen nichtstaatlichen Organisationen in Barrancabermeja und der Region Magdalena Medio mitarbeiten, sind ständig Bedrohungen und Angriffen ausgesetzt. Sie werden bedroht, weil sie mit ihrer Arbeit versuchen, international anerkannte Menschenrechte zu schützen. Zahlreiche Menschenrechtler wurden ermordet oder sind dem "Verschwindenlassen" zum Opfer gefallen; andere sahen sich gezwungen, die Region zu verlassen, da sie um ihr Leben fürchten mussten. Die kolumbianischen Behörden haben bis heute keine wirksamen Maßnahmen eingeleitet, um gegen die paramilitärischen Kräfte, die in der Region operieren, vorzugehen.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe, Telegramme oder Luftpostbriefe, in denen Sie
APPELLE AN:
Señor Presidente Dr. Andrés Pastrana Arango, Presidente de la República, Palacio de Nariño, Carrera 8 No. 7-26, Santafé de Bogotá, REPUBLIK KOLUMBIEN (Staatspräsident - korrekte Anrede: Excelentísimo Señor Presidente) Telegramm: presidente pastrana, bogota, kolumbien Telefax: (00 57) 1-286 7434, (00 57) 1-287 7939, (00 57) 1-284 2186, (00 57) 1-337-1351
Señor Humberto de la Calle, Ministro del Interior, Ministerio del Interior, Carrera 8a, No. 8-09, Piso 2, Santafé de Bogotá, REPUBLIK KOLUMBIEN (Innenminister - korrekte Anrede: Señor Ministro) Telegramm: ministro del interior, bogota, kolumbien Telefax: (00 57) 1-286 8025; (00 57) 1-284 0214
Dr. Luis Fernando Ramírez Acuña, Ministro de Defensa Nacional, Ministerio de Defensa Nacional, Avenida Eldorado, CAN - Carrera 52, Santafé de Bogotá, REPUBLIK KOLUMBIEN (Verteidigungsminister - korrekte Anrede: Señor Ministro) Telegramm: ministro de defensa, bogota, kolumbien Telefax: (00 57) 1-222 1874, (00 57) 1-266 9300
KOPIEN AN:
Señores CREDHOS, Comité Regional de Derechos Humanos, Apartado Aéreo 505, Barrancabermeja, Santander, KOLUMBIEN (regionale Menschenrechtsvereinigung)
Señores, ASFADDES, AA 011446, Santafé de Bogotá, REPUBLIK KOLUMBIEN (Vereinigung der Angehörigen "Verschwundener")
Kanzlei der Botschaft der Republik Kolumbien, Kurfürstenstr. 84, 10787 Berlin Telefax: (030) 2639 6125 - (S.E. Herrn Hernan Beltz-Peralta)
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in urgent actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 15. November 2000 keine Appelle mehr zu verschicken.
RECOMMENDED ACTION: Please send telegrams/telexes/faxes/express/airmail letters in Spanish or your own language:
- expressing concern for the safety of human rights defenders in Barrancabermeja, particularly Credhos workers and Asfaddes members nationally after a paramilitary statement declared them "military targets";
- urging a full and impartial investigation into the threats against Credhos and Asfaddes, with the results made public and those responsible brought to justice;
- urging the authorities to take immediate steps to guarantee the safety of Credhos and Asfaddes members, so that they can continue their work;
- urging the Colombian government to adhere to its obligations to protect human rights defenders, as set out through the United Nations and Organization of American States;
- calling for a full and impartial investigation into links between the security forces and paramilitary groups operating in Barrancabermeja and the surrounding area, urging that the results are made public and those found responsible for supporting and participating in such groups are brought to justice;
- urging the authorities to take immediate action to dismantle paramilitary groups, in line with stated government commitments and United Nations recommendations.
amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V., 53108 Bonn Telefon: 0228/983 73 - 0 - Telefax: 0228/63 00 36 - Email: ua-de@amnesty.de Spendenkonto: 80 90 100 - BfS (Köln) - BLZ 370 205 00