NZZ Online 06.10.2000

Anschläge gegen Militärkonvois in Algerien

ach. Nach Presseberichten aus Algerien haben Terroristen in der Nacht auf den Mittwoch zu einem brutalen Schlag gegen die algerische Armee ausgeholt. Es gelang einer Terrorgruppe, auf der Strasse bei Azzaba, in der Provinz Skikda im Osten des Landes, einen Sprengkörper just zu dem Zeitpunkt zur Explosion zu bringen, da zwei mit insgesamt dreizehn Soldaten besetzte Armeefahrzeuge vorbeifuhren. Die Terroristen nahmen die zum Stillstand gebrachten Fahrzeuge unter Feuer, wobei sie zehn Soldaten töteten und drei schwer verletzten. Sie bemächtigten sich sodann der Waffen und der Uniformen der Soldaten. Laut der Zeitung «Watan» operiert in Ostalgerien eine Gruppe von Terroristen, die in ihrer Mehrheit einst dem bewaffneten Arm des Front islamique du salut, der Armée islamique du salut, angehörten. Zu Beginn dieses Jahres erhielten dieseTerroristen von Präsident Bouteflika Strafverfolgungsfreiheit zugesichert, tauchten dann aber wieder in den Untergrund ab und schlossen sich dem von Hassan Hattab angeführten Groupe salafiste pour la prédication et le combat an.

Ein weiterer Bombenanschlag auf Militärfahrzeuge ereignete sich bei Relizane im Westen Algeriens. Dabei wurden nach Zeitungsberichten zweiSoldaten getötet; zwei weitere erlitten Verletzungen. Der «Watan» beklagt sich in seiner Ausgabe vom Donnerstag bitter darüber, dass Dutzende von Personen jede Woche von Terroristen ermordet werden, dass aber die staatlichen Behörden, die Parteien und seit einiger Zeit auch die weitere algerische Öffentlichkeit dem Phänomen des Terrorismus keine Beachtung mehr schenken. Algerien verdränge den Terrorismus; es werde der Eindruck erweckt, als habe Präsident Bouteflikas Amnestiegesetz dem Land den Frieden gebracht. Ähnlich sieht es die Zeitung «La Tribune». Sie warnt davor, so zu tun, als sei der Kampf gegen den Terrorismus bereits gewonnen.

 

6. Oktober 2000

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