amnesty international
Urgent Action

UA-Nr: UA-340/2000
AI-Index: AMR 23/090/2000
Datum: 06.11.2000

SORGE UM SICHERHEIT / MUTMASSLICHER STAATLICHER MORD / "VERSCHWINDENLASSEN"




Kolumbien: getötet:
Francisco Javier CASTRO JAIMES
Luis Arturo PÉREZ OSORIO
Johel Jaime SUAREZ
Ramiro NIÑO ARDILA
Jairo Alonso SUAREZ MORANTES
Carlos Alberto SUAREZ ARDILA
Donato SUAREZ SÁNCHEZ

"verschwunden":
Osvaldo BUITRAGO PRADILLA
Rodrigo BUITRAGO PRADILLA

Bei einem Überfall paramilitärischer Einheiten auf die Stadt Barrancabermeja im Departement Santander sind mindestes sieben Menschen getötet worden. Außerdem entführten die von der Armee unterstützten Paramilitärs zwei Brüder, von denen seitdem jede Spur fehlt.

Nach vorliegenden Informationen drangen am 4. November 2000 gegen 4 Uhr morgens rund 50 bewaffnete Männer in die Stadt ein und töteten die oben genannten Bewohner. Die Täter, die Armbinden der paramilitärischen Gruppierung "Autodefensas Unidas de Colombia – AUC" (Selbstschutztruppen von Kolumbien) trugen, sollen dann zwei Taxifahrer gezwungen haben, fünf der Leichen zu einem Bestatter zu bringen. Berichten zufolge verschleppten die Täter danach im Stadtteil Alto de Campestre die beiden Brüder Osvaldo und Rodrigo Buitrago Pradilla.

Bewohner der Stadt riefen die Polizei, die später angab, zwei Mitglieder der paramilitärischen Gruppierung gefasst und einen weiteren Angehörigen der Gruppe getötet zu haben. Die Armee hatte jedoch offenbar nichts unternommen, um den Paramilitärs Einhalt zu gebieten, obwohl der Überfall insgesamt über zwei Stunden dauerte und ein Bataillon der fünften Brigade (Battalón Nueva Granada) mit zahlreichen Soldaten in der Stadt anwesend war.

Vor zwei Jahren hatten schon einmal Paramilitärs einen Überfall auf Barrancabermeja verübt und die Berichte darüber hatten für internationale Proteste gesorgt. Auch bei diesem Anschlag waren sieben Menschen getötet worden und 25 fielen danach dem "Verschwindenlassen" zum Opfer (s.a. ai-Länderbericht "Barrancabermeja: A City under Siege", AMR 23/36/99, Mai 1999). Seitdem haben die Behörden jedoch keine Maßnahmen eingeleitet, um gegen die in der Region operierenden Paramilitärs oder Angehörigen der Sicherheitskräfte, die mit ihnen zusammenarbeiten, vorzugehen. Der jüngste Anschlag zeigt deutlich, dass Zivilisten in großer Gefahr sind, wenn die Behörden nicht gegen die für derartige Übergriffe Verantwortlichen vorgehen.

Die Guerillaorganisationen "Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia" (FARC) und "Ejército de Liberación Nacional" (ELN) haben ebenfalls zahlreiche Morde an Zivilisten verübt und viele Bewohner Barrancabermejas getötet, denen sie vorwarfen, mit den Sicherheitskräften oder den Paramilitärs zu kollaborieren. Seit Beginn des Jahres sollen in Barrancabermeja bereits mindestens 410 Bewohner getötet worden sein – entweder von paramilitärischen Einheiten oder von Guerillakräften.

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe, Telexe, Telegramme oder Luftpostbriefe, in denen Sie

  • Ihre Sorge um die Sicherheit der Bewohner der Stadt Barrancabermeja zum Ausdruck bringen, nachdem dort bei einem Überfall einer paramilitärischen Gruppierung am 4. November 2000 sieben Menschen getötet worden sind und in diesem Jahr bereits über 400 Bewohner der Stadt von Guerillas oder Paramilitärs umgebracht wurden;
  • kritisieren, dass die Regierung trotz wiederholter Zusicherungen und Empfehlungen der Vereinten Nationen bislang keine wirksamen Maßnahmen gegen paramilitärische Gruppen in Barrancabermeja eingeleitet hat;
  • fordern, dass eine umfassende und unabhängige Untersuchung des Anschlags eingeleitet wird, die Ergebnisse veröffentlicht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden;
  • Ihre Sorge um die Sicherheit von Osvaldo und Rodrigo Buitrago Pradilla zum Ausdruck bringen, die Berichten zufolge während des Überfalls verschleppt wurden;
  • die Behörden auffordern, alle notwendigen Schritte einzuleiten, um den Aufenthaltsort der beiden Brüder zu ermitteln und ihre Sicherheit zu gewährleisten;
  • fordern, dass eine umfassende und unabhängige Untersuchung über die Verbindungen zwischen den Sicherheitskräften und den paramilitärischen Gruppen im Departement Santander eingeleitet wird und die Ergebnisse veröffentlicht sowie die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden;
  • die Regierung auffordern, sofort ihrer Zusage und den Empfehlungen der Vereinten Nationen nachzukommen, alle paramilitärischen Truppen in Kolumbien aufzulösen.
  • darlegen, dass Sie Kenntnis über schwere Verstöße der Guerillaeinheiten gegen das humanitäre Völkerrecht haben, aber dass auch diese Verstöße keine Rechtfertigung dafür sein können, dass die kolumbianischen Behörden nicht gegen paramilitärische Einheiten vorgehen.

    APPELLE AN:

    Señor Presidente Dr. Andrés Pastrana Arango, Presidente de la República, Palacio de Nariño, Carrera 8 No. 7-26, Santafé de Bogotá, REPUBLIK KOLUMBIEN (Staatspräsident - korrekte Anrede: Excelentísimo Señor Presidente)
    Telegramm: presidente pastrana, bogota, kolumbien
    Telex: 035 44281 palp co
    Telefax: (00 57) 1-286 7434, (00 57) 1-287 7939, (00 57) 1-284 2186, (00 57) 1-337 1351

    Señor Vicepresidente Gustavo Bell Lemus, Alto Consejero Presidencial para asuntos de Derechos Humanos y lucha Contra la Corrupción, Cra. 8 #7-26, Palacio de Nariño, Santafé de Bogotá, REPUBLIK KOLUMBIEN (Vizepräsident - korrekte Anrede: Excmo. Sr.Vicepresidente)
    Telegramm: vicepresidente gustavo bell lemus, bogota, kolumbien
    Telefax: (00 57)1-3371351

    General Martín Orlando Carreño Sandoval, Comandante de la V. Brigada, Calle 14, Carrera 33, Barrio los Pinos, Bucaramanga, Santander, REPUBLIK KOLUMBIEN
    (Brigadekommandant - korrekte Anrede: Estimado Comandante)
    Telegramm: comandante v brigada, bucaramanga, kolumbien
    Telefax: (00 57) 76-455 051; (00 57) 76-351 493

    KOPIEN AN:

    Señores CREDHOS, Comité Regional de Derechos Humanos, Apartado Aéreo 505, Barrancabermeja, Santander, REPUBLIK KOLUMBIEN (regionale Menschenrechtsvereinigung)

    Kanzlei der Botschaft der Republik Kolumbien, Kurfürstenstr. 84, 10787 Berlin
    Telefax: (030) 2639 6125 - (S.E. Herrn Hernan Beltz-Peralta)

    Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in urgent actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. Dezember 2000 keine Appelle mehr zu verschicken.

    RECOMMENDED ACTION: Please send telegrams/faxes/express/airmail letters in Spanish, English or your own language:

    - expressing concern for the safety of civilians in Barrancabermeja in the light of the 4 November paramilitary raid and the repeated killings of civilians by both guerrilla forces and paramilitaries throughout 2000;

    - expressing concern that the government has taken no real action against paramilitary groups in the Barrancabermeja area, despite their own commitments and UN recommendations to combat and dismantle these groups;

    - urging full and impartial investigations into the raid, for the results to be made public and those responsible brought to justice;

    - expressing concern for the safety of Osvaldo Buitrago Pradilla and his brother Rodrigo, who were reportedly abducted during the raid, and urging the authorities to do everything possible to find them and ensure that they are safe;

    - calling for a full and impartial investigation into links between the security forces and paramilitary groups operating in the department of Santander, urging that the results are made public, and that those responsible for supporting and participating in such groups are brought to justice;

    - urging the authorities to take immediate and decisive action to combat and dismantle paramilitary groups, in line with repeated government commitments and United Nations recommendations.

    In your correspondence you should acknowledge violations of international humanitarian law by guerrilla forces but underline that these violations cannot and should not be used as an excuse for inaction by the state in combatting and dismantling paramilitary groups, ensuring that any links with the security forces are advanced and that those responsible for human rights violations are brought to justice.



    amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V., 53108 Bonn
    Telefon: 0228/983 73-0 - Telefax: 0228/63 00 36 - email: ua-de@amnesty.de
    Spendenkonto: 80 90 100 - BfS Köln - BLZ 370 205 00