Kinshasas neuer Staatschef verspricht Öffnung
Reaktivierung des Lusaka-Abkommens?
win. Nairobi, 28. Januar
Der neue Staatschef Kongo-Kinshasas, Joseph Kabila, hat
in seiner ersten Rede an seine Landsleute versprochen, die
Bemühungen für ein Ende des Krieges in seinem Land zu verstärken und
eine Politik des Dialogs und der Versöhnung zu verfolgen. Kabila,
der vor zehn Tagen nach der Ermordung seines Vaters zum neuen
Staatschef proklamiert worden war, sagte in einer aufgezeichneten
Rede am Fernsehen, Kinshasa werde in Abstimmung mit seinen
Alliierten Angola, Simbabwe und Namibia prüfen, wie das
Waffenstillstandsabkommen von Lusaka wiederbelebt werden könne. Das
Ziel sei aber nicht nur ein Waffenstillstand in Kongo-Kinshasa,
sondern Friede in der ganzen Region der afrikanischen grossen Seen,
sagte Kabila in der am späten Freitagabend ausgestrahlten Rede.
Kritik der Rebellen
Wohl als Reaktion auf Kabilas Rede kündigte Rwanda über
das Wochenende eine neue diplomatische Offensive für die
Reaktivierung des Lusaka-Abkommens an. Dagegen kritisierte die von
Rwanda unterstützte Rebellenfaktion Rassemblement congolais pour la
démocratie (RCD) mit Sitz in Goma Kabilas Rede. Der neue Staatschef
habe wie schon sein Vater den sofortigen, bedingungslosen Abzug der
rwandischen und ugandischen Truppen gefordert, sagte ein Sprecher
des RCD der Agentur Reuters. Dies widerspreche den Grundzügen des
Lusaka-Abkommens, das eine Reihe von vorbereitenden und begleitenden
Massnahmen zu einem Abzug der rwandischen und ugandischen Truppen
vorsehe.
Für Wiederannäherung an den Westen
Im grösseren aussenpolitischen Rahmen gelobte Kabila,
die wegen «Missverständnissen» gestörten Beziehungen zu den USA und
zu Europa auf eine neue Basis zu stellen. Zudem versprach er, die
Wirtschaft des Landes zu liberalisieren. Als ersten konkreten
Schritt in diese Richtung kündigte Kabila an, er werde das Verbot
des Gebrauchs ausländischer Währungen aufheben. Sein Vater hatte im
Januar 1999 den Gebrauch des amerikanischen Dollars verboten und im
September des gleichen Jahres den Besitz von Devisen unter Strafe
gestellt, um den nach seiner Machtübernahme eingeführten Franc
congolais zu stützen. Die Massnahme hatte aber - wie vielerorts
befürchtet - die Überreste des wirtschaftlichen Lebens noch weiter
gelähmt.
Neue Zürcher Zeitung, Ressort Ausland, 29. Januar 2001,
Nr.23, Seite 3