amnesty international
Urgent Action

UA-Nr: UA-061/2001
AI-Index: AFR 54/007720011
Datum: 15.03.2001

DROHENDE FOLTER UND MISSHANDLUNG / HAFT OHNE KONTAKT ZUR AUSSENWELT / GEWALTLOSER POLITISCHER GEFANGENER




Sudan: Dr. Nageeb Nagmeldin el Toum, Direktor des "Amal-Zentrums für die Rehabilitation von Opfern körperlicher und mentaler Traumata"

Der prominente Menschenrechtsverteidiger Dr. Nageeb Nagmeldin el Toum wird im Kober-Gefängnis in Khartoum ohne Kontakt zu seinen Familienangehörigen, Rechtsanwälten und medizinsicher Versorgung festgehalten. amnesty international betrachtet ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen und befürchtet, dass er möglicherweise misshandelt oder gefoltert wird.

Die Sicherheitskräfte nahmen Dr. Nageeb Nagmeldin el Toum, den Direktor des "Amal-Zentrums für die Rehabilitation von Opfern körperlicher und mentaler Traumata" (Amal Centre for Rehabilitation of Victims of Physical and Mental Trauma) am 11. März 2001 fest. Zunächst wurde er in das Büro der Sicherheitskräfte in Khartoum gebracht und dann am darauffolgenden Tag in das Kober-Gefängnis überstellt. Es wurde keine Anklage gegen ihn erhoben, und die Gründe für seine Festnahme sind nicht bekannt. Am 13. März 2001 war ein Treffen zwischen dem UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechte im Sudan (und früheren deutschen Innenminister), Gerhard Baum, und Dr. Nageeb Nagmeldin el Toum geplant.

Dr. Nageeb Nagmeldin el Toum, ehemals Sekretär der verbotenen sudanesischen Ärztevereinigung "Sudanese Doctors' Union", ist seit 1989 von den Sicherheitskräften wiederholt in Haft genommen worden. Er war in der Vergangenheit bereits ohne Kontakt zur Außenwelt gefangen gehalten und Berichten zufolge gefoltert worden. Er soll sich gegenwärtig in schlechter gesundheitlicher Verfassung befinden.

Das "Amal-Zentrums für die Rehabilitation von Opfern körperlicher und mentaler Traumata" wurde im November vergangenen Jahres gegründet. Es bietet Opfern von Menschenrechtsverletzungen unentgeltliche medizinische Versorgung und Beratung an und ist somit das erste Behandlungszentrum dieser Art in dem Land. Zwei weitere Mitarbeiter des Zentrums, Fatih Mohamed Ahmed Abdel Rahman und Zienab Omer Ahmed, wurden ebenfalls am 11. März 2001 festgenommen und verhört. Zwar wurden sie dann wieder auf freien Fuß gesetzt, sie sind danach jedoch erneut wiederholt vernommen worden. Bei der Festnahme beschlagnahmten die Sicherheitskräfte Computer, Patientenakten und andere Dokumente des Zentrums. Am Tag darauf wurden außerdem medizinische Geräte, ein Generator und Büroeinrichtung konfisziert, obwohl dafür offenbar keine richterliche Genehmigung vorlag.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Nachdem Staatspräsident Omar Hassan al-Bashir 1989 an die Macht gekommen ist, wurden die Rechte auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit sowie die Betätigungsmöglichkeiten der Opposition im Sudan stark beschnitten. Trotz eines neuen Gesetzes vom 1. Januar 1999, das eine Lockerung des Verbots von Oppositionsparteien in Aussicht stellte, dürfen sich Oppositionsparteien und Gewerkschaften, die nicht loyal zum gegenwärtigen Regime sind, nach wie vor nur sehr eingeschränkt betätigen. amnesty international hat ein Muster an Menschenrechtsverletzungen, insbesondere widerrechtlichen Festnahmen, Misshandlungen und Folterungen von mutmaßlichen Regierungsgegnern – dazu gehören Anwälte, Journalisten, Gewerkschafter und Menschenrechtsverteidiger - an geheimen Haftorten dokumentiert.

Nach seiner Wiederwahl am 29. Dezember 2000 hat Staatspräsident al-Bashir den im Dezember 1999 verhängten Ausnahmezustand bis Ende 2001 verlängert. Unter dem neuen Sicherheitsgesetz und Antiterrorismusgesetz dürfen Sicherheitsbeamte Personen 63 Stunden in Gewahrsam halten, bevor sie angeklagt oder freigelassen werden müssen. Kürzlich wurden die Bestimmungen weiter verschärft, sodass Inhaftierte nun erst nach 93 Tagen ihre Haft vor Gericht anfechten können. Die Haftdauer kann nach Ermessen der Behörden jederzeit um weitere drei Monate verlängert werden, sodass Personen praktisch für unbestimmte Zeit ohne Anklageerhebung festgehalten werden können.

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie

  • sich um die Sicherheit von Dr. Nageeb Nagmeldin el Toum besorgt zeigen;
  • um die Zusicherung bitten, dass er im Gewahrsam weder misshandelt noch gefoltert wird;
  • fordern, dass man ihm umgehend den regelmäßigen Kontakt zu Familienangehörigen und Rechtsanwälten sowie jegliche erforderliche medizinische Versorgung gewährt;
  • seine sofortige und bedingungslose Freilassung fordern,
  • die Behörden auffordern, die Sicherheit aller Mitarbeiter des "Amal-Zentrums für die Rehabilitation von Opfern körperlicher und mentaler Traumata" zu gewährleisten und sicherzustellen, dass sie weder verhört noch inhaftiert werden;
  • darauf dringen, dass die Vertraulichkeit der zwischen dem Arzt und seinen Patienten ausgetauschten Informationen respektiert wird;
  • um die Zusicherung bitten, dass Patienten des "Amal-Zentrums für die Rehabilitation von Opfern körperlicher und mentaler Traumata" keine Schikane, Verhöre oder Inhaftierung zu fürchten brauchen.

    APPELLE AN:

    His Excellency Lieutenant General Omar Hassan al-Bashir, President of the Republic of Sudan, People's Palace, PO Box 281, Khartoum, REPUBLIK SUDAN (Staatspräsident - korrekte Anrede: Your Excellency)
    Telefax: (00 249) 11-787 676; (00 249) 11-783 223

    Mr Ali Mohamed Osman Yassin, Minister of Justice and Attorney General, Ministry of Justice, Khartoum, REPUBLIK SUDAN (Justizminister - korrekte Anrede: Dear Minister)
    Telefax: (00 249) 11-787 676; (00 249) 11-783 223 (über das Präsidialamt: Please forward to...")

    Mr Mustafa Osman Ismail, Minister of Foreign Affairs, Ministry of Foreign Affairs, PO Box 873, Khartoum, REPUBLIK SUDAN (Außenminister - korrekte Anrede: Dear Minister)

    Telefax: (00 249) 11-787 676; (00 249) 11-783 223 (über das Präsidialamt: Please forward to...")

    KOPIEN AN:

    Kanzlei der Botschaft der Republik Sudan, Kurfürstendamm 151, 10709 Berlin
    (Herr Hassan A. A. Faraq, Geschäftsträger a. i.)
    Telefax: 030-890 6980
    E-Mail: sudan-embassy.bonn@t-online.de

    Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. April 2001 keine Appelle mehr zu verschicken.

    RECOMMENDED ACTION:Please send telegrams/telexes/faxes/express/airmail letters in English, Arabic or your own language:

    - expressing concern for the safety of Dr Nageeb Nagmeldin el Toum;

    - urging the authorities to guarantee that he is not tortured or ill- treated in custody;

    - calling for him to be granted immediate access to his family, legal representatives and any medical attention he may need;

    - calling for him to be released immediately and unconditionally;

    - urging the authorities to guarantee the safety of workers at the Amal Centre for Rehabilitation of Victims of Physical and Mental Trauma, and to ensure that they are not detained or interrogated;

    - expressing concern that doctor/patient confidentiality is respected;

    - seeking assurances that patients of the Centre will not be subject to harassment, arrest or interrogation.



    amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V., 53108 Bonn
    Telefon: 0228/983 73-0 - Telefax: 0228/63 00 36 - email: ua-de@amnesty.de
    Spendenkonto: 80 90 100 - BfS Köln - BLZ 370 205 00