Return-Path: Received: from zimt01.bndlg.de ([194.95.207.3]) by mailin07.sul.t-online.de with esmtp id 15MpwM-16Cx96C; Wed, 18 Jul 2001 13:56:30 +0200 Received: from bndlg.de (pC19EAD56.dip.t-dialin.net [193.158.173.86]) by zimt01.bndlg.de (8.11.3/8.11.3) with ESMTP id f6IBtnb23033; Wed, 18 Jul 2001 13:55:49 +0200 Message-ID: <3B557943.7D546578@bndlg.de> Date: Wed, 18 Jul 2001 13:55:47 +0200 From: Wolfgang Plarre X-Mailer: Mozilla 4.75 [de]C-CCK-MCD DT (Win98; U) X-Accept-Language: de MIME-Version: 1.0 To: recipient-list suppressed Subject: Monatsbericht Juni 2001 der Informationsstelle der Deutschen Caritas und Diakonie in Pristina Content-Type: text/plain; charset=iso-8859-1 Content-Transfer-Encoding: 8bit http://www.cvizk.de/berichte/berichtjun2001.pdf Informationsstelle der Deutschen Caritas und Diakonie in Pristina Monatsbericht Juni 2001 1 - Flüchtlingssituation 2 - Betrüger 3 - Kindergeld- und Rentenauszahlungen 4 - Wiederaufbau Wie auch im letzten Jahr scheinen die Gemüter sich bei Temperaturen um 35°C zu beruhigen. Die Gewalttätigkeit, zumindest ethnischer Natur, hat in den letzten Wochen deutlich nachgelassen. Es werden allerdings immer noch permanent Waffen von KFOR konfisziert. Das Gesundheitswesen und die wirtschaftliche Lage haben sich nicht wesentlich verbessert. Die OSZE bereitet sich auf die Wahlen am 17. November vor. Schon jetzt beginnt der Wettstreit zwischen den Parteien, gespickt mit öffentlichen Diffamierungen. So berichtet die größte Tageszeitung Koha Ditore (13. Juli 2001), daß sich dieses Jahr die PDK durch die LKD bedroht fühlt. Da es ansonsten in diesem ruhigen Sommermonat nicht viel zu berichten gibt, werde ich mich auf einige kleinere Aktualisierungen, die Situation der Flüchtlinge aus Mazedonien und die Sorgen der Infostelle beschränken. 1 - Flüchtlingssituation: Leider ist die Situation im benachbarten Mazedonien trotz Waffenruhe nicht so stabil wie im Moment im Kosovo. Angeblich nutzen beide Parteien die Zeit, um ihre Stellungen zu auszubauen. Am 11. Juni kam es erneut zu Gefechten an der Grenze zum Kosovo, wobei ein mazedonischer Soldat schwer verletzt wurde. Nach den neuesten Angaben von UNHCR sind von den ursprünglich 73.000 Flüchtlingen aus Mazedonien noch 62.000 im Kosovo. Obwohl die Rückkehrrate sich verringert hat, beobachtet UNHCR pro Tag eine Rückkehrbewegung von ungefähr 500 Menschen. Dabei handelt es sich jedoch nur um Rückkehr nach Skopje. Noch kehrt niemand in die Region um Komanovo und Tetovo zurück. An der Grenzstation Blace werden Flüchtlinge ohne gültigen Paß nicht durchgelassen. Letzten Mittwoch wurde ein Mann, der einen gültigen Paß besaß, von den mazedonischen Sicherheitskräften zurückgeschickt, da er in eine Region wollte, die an- geblich noch von den albanischen Rebellen besetzt ist. Laut UNHCR wurde der Mann zudem verprügelt. Die nicht durchgelassenen Flüchtlinge wissen nun nicht, wohin, da es den meisten unangenehm ist, zu ihren ohnehin überstrapazierten Gastfamilien zurückzukehren. UNHCR, zusammen mit Implementierungspartnern und Caritas Kosovo sowie CRS (Catholic Relief Services, Amerikanische Caritas) unterstützen die Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln und anderen Hilfsmitteln. Der allergrößte Teil der Flüchtlinge ist bei Gastfamilien untergekommen. Diese haben wirklich Schlange gestanden, um ihre Dankbarkeit durch die Aufnahme der Flüchtlinge ihrerseits für die damalige Gastfreundschaft während des Kosovokrieges auszudrücken. Nur wenige wohnen in einem Flüchtlingslager in Kacanik, unweit der Grenze zu Mazedonien. So gut sich dies auch anhört, sind die Probleme doch vielfältig: Wie schon im letzten Bericht erwähnt, sind viele der Gastfamilien, vor allem in den Dörfern, selbst sehr hilfsbedürftig. Zudem sind die Häuser der meisten Familien seit langem von Angehörigen aus dem eigenen Land völlig überfüllt, und der zusätzliche Strom der Rückkehrer hat die Belastungsfähigkeit vieler Menschen bis aufs äußerste strapaziert. Eine forcierte Rückkehr aus Deutschland in dieser angespannten Situation könnte "das Faß bei vielen zum Überlaufen bringen". 2 - Betrüger Seit Wochen macht ein Betrüger (auch über ihn wurde schon im letzten Bericht kurz geschrieben) der Informationsstelle und vielen Rückkehrern aus Deutschland das Leben schwer. Bei dem Betrüger handelt es sich um einen 20-jährigen Kosovoalbaner, der sich als Caritasmitarbeiter ausgibt. Er verspricht verzweifelten Rückkehrern gegen ein Entgeld von 360 DM pro Familie (in Einzelfällen auch mehr), daß die DCV/DW Infostelle Pristina Kindergeld auszahlt und den Familien, deren Kinder in Deutschland geboren sind, Visa nach Deutschland verschafft. Die Familien, die ihm nicht glauben, kommen dann aus dem ganzen Land in unser Büro, um sich Gewissheit zu verschaffen. Innerhalb von 2 Monaten überschwemmten über 100 aufgebrachte Rückkehrer unser Büro. Auch wenn mich das sehr von meiner eigentlichen Aufgabe abhielt, fand ich es doch nötig, die betrogenen Menschen sprechen zu lassen, schon alleine um Näheres über den Betrüger zu erfahren. Zudem bestand und besteht die Gefahr, daß die Caritas in den Ruf der Korruption kommt, da man in diesem Land für alles bezahlen muß (auch für Dinge, die von der internationalen Gemeinschaft eigentlich umsonst sind, so zum Beispiel die Aufnahme in die Bewerberliste der lokalen Polizei. Doch dazu später Genaueres). Viele der Rückkehrer glauben, daß wir einige bevorzugen und dafür Geld verlangen. Es kostet jedesmal viel Mühe und Geduld, die Menschen vom Gegenteil zu überzeugen. Vor 2 Wochen erstatteten wir Anzeige gegen Unbekannt und der zuständige deutsche Polizist fand heraus, daß der Betrüger mit einer jungen deutschen Frau verheiratet ist, die als seine Komplizin "arbeitet". Sie gibt an, aus der Caritaszentrale in Deutschalnd zu kommen! Glücklicherweise hat diese Frau so viele Spuren hinterlassen, daß wir Hoffnung haben, das Paar zu erwischen. Es ist skandalös, wie viele Menschen hier das Leid und die Armut ihrer Kompatrioten ausnützen. Zwar ist dies oft der Fall in Nachkriegsgebieten, doch scheint es im Kosovo ganz besonders erschreckende Ausmaße anzunehmen. So berichteten mehrere Rückkehrer, daß bis zu 3000 DM bezahlt werden müssen, um in ein Wiederaufbauprogramm aufgenommen zu werden. Hilfsgüter werden oft verkauft anstatt gespendet. Alle diese Aussagen beruhen natürlich auf Gerüchten, doch die Häufigkeit der Erzählungen lassen darauf schließen, daß viel Wahrheit daran ist. 3 - Kindergeld- und Rentenauszahlungen Gerüchte sind überhaupt ein treibender Faktor in dieser Gesellschaft. So wird weiterhin behauptet, daß unser Büro Renten und Kindergeld auszahlt. Um dieses Gerücht ein für alle Mal zu beenden, gebe ich hier die Organisation an, die sich tatsächlich um diese Dinge kümmert. Es handelt sich um die lokale Organisation NOSHI, die in Pristina und München (Schützenstrasse 5) ihren Sitz hat. Rückkehrer, die sich in Deutschland nicht um die Auszahlung dieser Gelder bemüht haben, können also dort ein entsprechendes Formular ausfüllen, das über die Zweigstelle in München zu den deutschen Behörden weitergeleitet wird. Begünstigte müssen ein Konto bei der hiesigen MEB (Micro Enterprise Bank) besitzen, auf das die Gelder überwiesen werden. NOSHI zieht 13% der Auszahlungen ein. Stellt sich jedoch heraus, daß ein Rückkehrer keinen Anspruch auf Kindergeld oder Rente aus Deutschland hat, entstehen ihm keine Bearbeitungsgebühren durch NOSHI. 4 - Wiederaufbau Auch im nächsten Jahr müssen wieder Häuser von der internationalen Gemeinschaft aufgebaut werden. Rund 12.000 Familien benötigen noch Wiederaufbauhilfe (UNMIK News, No.99, 1 July 2001). In diesem Jahr ist das Ziel der Abteilung für Wiederaufbau die Rehabilitation von ungefähr 8.000 Häusern. Pristina, den 13. Juli 2001 Christina Kaiser ******************************************************************** +++ NEU ÜBERARBEITET - NEW UPDATE +++ Wiederaufbau Kosov@ - Reconstruction Kosov@ Rindërtimi i Kosov@s - OBNOVA KOSOVA http://www.bndlg.de/~wplarre/Wiederaufbau/ http://www.kosova-info-line.de ******************************************************************** +---------------------------------------------------+ | Wolfgang Plarre | | Dillinger Str. 41, D-86637 Wertingen, Germany | | E-mail: wplarre@bndlg.de w.plarre@kosova.nu | | Tel: +49-8272-98974 Fax: +49-8272-98975 | | Internet: http://www.bndlg.de/~wplarre | +---------------------------------------------------+ _________________________________________________________ Ein Zeichen setzen: @ ! KosovO + KosovA = Kosov@ ! _________________________________________________________