5. Erarbeitung einer schriftlichen Schilderung des Verfolgungsschicksals
  Inhaltsverzeichnis
               7. Übersicht zur Asylgewährung: Wer bekommt Asyl?   

6. Fragebogen für Asylbewerber mit Erläuterungen

6.1 Erläuterungen zum Fragebogen

Der anschließende Fragebogen ist nicht für die Aushändigung an den Antragsteller gedacht, sondern soll es Ihnen erleichtern, dem Antragsteller bei der Erarbeitung einer detaillierten und vollständigen Darstellung seines Verfolgungsschicksals zu helfen.

Lassen Sie sich von der Länge des Fragebogens nicht erschrecken. In den meisten Fällen passen nur einige der Fragenkomplexe. Der Fragebogen kann jedoch gut als Checkliste benutzt werden, um nichts Wesentliches zu übersehen.

Leider sind viele Fragen als solche schon ein (notwendiger) Eingriff in die Persönlichkeitssphäre des Antragstellers und können – wenn sie nicht höchst vorsichtig und sensibel vorgebracht werden – Wunden aufreißen oder zu einer Retraumatisierung führen. Da ein Gutteil der Antragsteller Folter oder ähnlich traumatisierende Erfahrungen erlebt hat, ist zu einem zurückhaltenden Fragestil zu raten. Klären Sie den Antragsteller bitte auch stets über den Zweck der Befragung und die Auswirkungen auf das Anerkennungsverfahren auf.

Stets sollten Sie prüfen (lassen), ob ein Eingehen auf die von dem Antragsteller selbst erlittene Folter oder unmenschliche Behandlung tatsächlich erforderlich ist. Dazu kurz folgende Grundregel:

Ein Eingehen auf die erlittene Folter ist höchstens dann nicht erforderlich, wenn die Darstellung des Antragstellers im übrigen so detailliert und widerspruchsfrei ist, dass der Einzelentscheider ihm auch ohne eine (detaillierte) Schilderung der Foltererfahrung glaubt, dies protokolliert und die vom Antragsteller bereits geschilderten Ereignisse schon die Schwelle des asylerheblichen Eingriffs erreichen. Ist hinsichtlich auch nur einer dieser Bedingungen Zweifel angezeigt, sollte nach Möglichkeit eine Schilderung der Folter erfolgen.

Ist die erlittene oder drohende Verfolgungsmaßnahme möglicherweise allein strafrechtlich motiviert, muss dennoch auf die erlittene Folter eingegangen werden, da hier die Bejahung eines Abschiebungshindernisses im Sinne des § 53 Abs. 1 oder Abs. 4 AuslG in Frage kommt.

Im Zweifel sollte somit nicht auf eine Schilderung verzichtet werden; sie kann jedoch auch schriftlich erfolgen. Das Vorgehen sollte mit dem Einzelentscheider abgesprochen werden. Unter Umständen ist er bereit, auf Fragen zu diesem Komplex zu verzichten (nicht selten wird auch er Scheu haben, zu einer erlittenen Folter detaillierte Fragen zu stellen). Es sollte dann aber klargestellt werden, dass der Verzicht erfolgt, um eine Retraumatisierung o.ä. zu vermeiden, damit dem Antragsteller nicht im Nachhinein ein Nachteil entsteht.

Die Regeln machen deutlich, wie sehr sich der Antragsteller – und mit ihm sein Berater – in einer Zwickmühle befindet: Wird die Folter nicht erwähnt, begeht der Antragsteller formell einen Verstoß gegen das AsylVfG und mindert die Chancen seiner Anerkennung. Schildert er die Folter dem Berater oder dem Einzelentscheider, setzt er sich der Gefahr der Retraumatisierung aus. Dieses Dilemma können wir nicht grundsätzlich lösen, sondern nur die genannten generellen Empfehlungen aussprechen. Manchmal empfiehlt sich folgender Kompromissweg:
Befragen Sie den Antragsteller dazu, ob andere Mithäftlinge gefoltert wurden. Lassen Sie sich die Folter der anderen detailliert schildern, sofern der Antragsteller keine Abwehrreaktionen (Nervosität etc.) zeigt. Fragen Sie den Antragsteller, ob Sie in seinem Fall ein Gespräch mit dem Einzelentscheider oder Richter führen dürfen. Erörtern Sie sodann die Problematik der Retraumatisierung mit dem Einzelentscheider oder Richter sowie dem Sonderbeauftragten für Traumatisierte der zuständigen Außenstelle. Verweisen Sie darauf, dass es angesichts der gezeigten Symptome des Antragstellers sowie des Umstandes, dass offenbar viele oder andere Gefangene gefoltert wurden, sehr nahe liegt, dass der Antragsteller ebenfalls zu den Opfern gehört. Fragen Sie ausdrücklich, ob es für den Einzelentscheider bzw. Richter auf die Schilderung der Folter ankommt. Fertigen Sie einen Gesprächsvermerk und bitten Sie Ihr Gegenüber, Gleiches zu tun. In manchen Fällen wird Sie der Einzelentscheider auffordern, Ihrerseits ein Protokoll Ihrer Befragung des Antragstellers einzureichen. Dies können Sie mit Zustimmung des Antragstellers tun. Der schriftliche Nachweis, dass auf die mündliche Erörterung der erlittenen Folter bewusst verzichtet wurde, kann im weiteren Verfahren von entscheidender Bedeutung sein.

Noch zwei Empfehlungen zur Gesprächsführung:
Klären Sie den Betroffenen über die Vor- und Nachteile sowie Risiken auf und lassen Sie ihm dann Bedenkzeit!
Viele Gefolterte haben eine Scheu davor, die Maßnahmen konkret zu benennen; dies gilt insbesondere bei sexueller Folter. Sie können die Hemmschwelle senken, indem Sie von sich aus die Folterformen benennen, die in dem jeweiligen Land verbreitet sind (siehe ai-Jahresbericht). Sie zeigen damit, dass man diese tabuisierten Worte überhaupt “in den Mund nehmen” kann.
(Zur Vertiefung: Interview mit Elise Bittenbinder, Vorsitzende der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V. (BAFF): Zum Umgang mit Folteropfern und Traumatisierten im ASYLMAGAZIN 11/1999, S. 8)

6.2 Fragebogen zur Erarbeitung einer schriftlichen Antragsbegründung

Bitte zunächst die vorangestellten Erläuterungen lesen!
Bitte machen Sie deutlich, dass das BAFl auch andere Fragen stellen kann!

6.2.1 Lebenslauf
- Wann und wo wurden Sie geboren?
- Welche Staatsangehörigkeit besitzen Sie?
- Zu welchem Stamm/welcher Volksgruppe gehören Sie?
- Welche Sprachen sprechen Sie?
- In welcher Sprache wollen Sie im Rahmen der Anhörung reden?
- Welche Schulausbildung haben Sie (möglichst genaue Daten)?
- Welche Berufsausbildung haben Sie?
- Welche Arbeit übten Sie in den letzten Jahren aus?
- Haben Sie Wehrdienst geleistet? Wenn ja, wann und wo? Wenn nein, weshalb nicht?
- Welche Religion haben Sie?
- Wo lebten Sie vor Ihrer Ausreise (bitte hier verdeutlichen, dass diese Frage auch Verstecke erfasst)?

6.2.2 Verwandtschaftsverhältnisse
- Wie lauten die Namen Ihrer Eltern und Geschwister?
- Wo leben Ihre Eltern und Geschwister derzeit, wo lebten sie zum Zeitpunkt Ihrer Flucht?
- Welche Volkszugehörigkeit haben Ihre Eltern?
- Halten sich Verwandte im Bundesgebiet oder sonstigen Ausland auf? Wenn ja, wo? Was haben sie hier für einen Status (Asylverfahren)? Weshalb haben sie das Herkunftsland verlassen? Hatten Sie im Herkunftsland Probleme aufgrund Ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen? Hatten Ihre Verwandten Ihretwegen Probleme im Herkunftsland?

Wenn Mitglieder Ihrer Familie politisch verfolgt wurden, beantworten Sie bitte für jeden verfolgten Familienangehörigen einzeln die folgenden Fragen:
- Warum und wie wurde der Familienangehörige verfolgt? Was warf man ihm vor? Wann wurde der Familienangehörige verfolgt?
- Wurde der Familienangehörige verhaftet? Wenn ja, wann, wo und von wem?
- Wo wurde er gefangen gehalten?
- Wurde er verhört, gefoltert oder getötet? Wenn ja, beschreiben Sie Einzelheiten!
- Wurde er in der Haftzeit vor ein Gericht gestellt? Gibt es Unterlagen darüber, die Sie besorgen können?
- Wann und wie ist er aus der Haft freigekommen?
- Wo und wie lebte er nach der Freilassung?
- Wurde er noch öfters verhaftet? Wenn ja, beantworten Sie bitte die vorherigen Fragen nochmals für jede weitere Verhaftung!
- Wie haben Sie den Familienangehörigen unterstützt, wie haben Sie ihm geholfen? Hat der Staat davon erfahren?
Wenn ja, wie? Wurden Sie wegen Ihrer Hilfe/Unterstützung bestraft oder bedroht? Wenn ja, siehe oben.

6.2.3. Erlittene politische Verfolgung im Heimatland Politische Aktivitäten

in einer Partei/Organisation
- Waren Sie Sympathisant, Unterstützer, Anhänger oder Mitglied einer politischen Partei, Organisation, Gewerkschaft, Vereinigung oder Religionsgemeinschaft? Wenn ja, beantworten Sie bitte folgende Fragen:
- Wie heißt die Organisation (bei Abkürzungen bitte auch den vollen Namen angeben)?
- Welche Ziele verfolgt diese Organisation?
- Wann wurde sie gegründet? Stellen Sie die Geschichte der Organisation dar!
- Wer führt diese Organisation derzeit?
- Ist die Organisation legal oder verboten (dieser Unterschied muss unter Umständen erklärt werden; gemeint ist ein offizielles staatliches Verbot)?
- Wie arbeitet sie? Wie ist ihre Struktur?
- Wann, wie und warum wurden Sie Mitglied/Sympathisant o.ä.?
- Gibt es Unterlagen (Mitgliedskarte o.ä.) oder Zeugen, die Ihre Mitgliedschaft in der Organisation bestätigen können?
- Wurden Sie von der Organisation ausgebildet, mit ihren Zielen vertraut gemacht?
- Welcher Art waren Ihre Kontakte zur Organisation? Wie oft hatten Sie Kontakt zu der Organisation? Über wen fanden die Kontakte statt?
- Hatten Sie zuletzt eine konkrete Funktion in der Organisation? Wie sah diese aus?
- Hatten Sie davor konkrete Funktionen? Welche?
- Nahmen Sie an Aktivitäten/Aktionen der Organisation teil? Wenn ja, wann, wo, wie oft? Was taten Sie konkret?
- Wie wurde die Arbeit der Organisation finanziert?
- Wer gab Ihnen Anweisungen und Informationen?
- Hat der Staat von den Aktivitäten Ihrer Organisation gewusst? Wie, wann und durch wen hat der Staat von der Arbeit Ihrer Organisation erfahren?
- Wurde die Organisation beobachtet? Woher wissen Sie das?
- Welche Sicherheitsmaßnahmen gab es in Ihrer Organisation, um die Aktivitäten und Informationen geheim zu halten?
- Hatte die Organisation Waffen? Wurden diese eingesetzt? Wenn ja, wo und aus welchem Anlass?
- Hat die Organisation die Verfolgung ihrer Ziele mit Gewalt propagiert?
- Welche Einstellung hatten Sie zu dem Waffen- und Gewalteinsatz? Haben Sie selbst sich an derartigen Aktionen beteiligt, wenn ja, in welcher Form?
- Wurden Sympathisanten oder Mitglieder Ihrer Organisation politisch verfolgt? Wie heißen sie? Wann und wie fand die Verfolgung statt?
- Wurden die Sympathisanten/Mitglieder gefoltert oder getötet?
- Wurden sie mit oder ohne Prozess gefangen gehalten? Was hat man ihnen vorgeworfen? Wer hatte sie verhaftet/festgenommen?
- Kamen sie wieder frei? Wenn ja, wie? Wo leben sie jetzt?
- Haben Sie nach Ihrer Flucht noch von Verhaftungen anderer Mitglieder der Organisation, der Sie im Heimatland angehörten, gehört? Können Sie deren Verhaftungen nachweisen?

Sind Sie außerdem Mitglied einer weiteren Organisation?
Wenn ja, beantworten Sie bitte noch mal die vorangestellten Fragen.

Verhaftungen
- Wie oft wurden Sie verhaftet? Wann waren die Verhaftungen? Wo wurden Sie festgenommen? Wo wurden Sie inhaftiert?
Beantworten Sie bitte zu jeder Verhaftung einzeln folgende Fragen:
- Wer (Polizei, Armee, Geheimdienst etc.) hat Sie verhaftet?
- Mit welcher Begründung?
- Wurde Ihnen ein Haftbefehl vorgelegt?
- Wo wurden Sie genau verhaftet? An welchem Tag, zu welcher Tageszeit?
- Gab es Zeugen Ihrer Verhaftung? Wo leben diese (Namen und Adressen)?
- Wohin wurden Sie gebracht (Wache, Polizeipräsidium, Gefängnis, geheime Haftzelle)? Kennen Sie den genauen Namen? Beschreiben Sie die Örtlichkeiten (Skizze der Gebäude, der Zelle)!
- Wie lange waren Sie in Haft?
- Wurden Sie während der Inhaftierung vor ein Gericht gestellt? Wenn ja: wann, vor welches Gericht? Was wurde Ihnen vorgeworfen? Gab es ein Urteil? Hatten Sie einen Verteidiger, wenn ja, wen (Name, Adresse, ist er erreichbar?)?
- Wie groß war der Raum, in dem Sie sich aufhalten mussten? Wie viele Gefangene waren in dem Raum? Durften Sie gelegentlich den Raum verlassen? Wenn ja, wozu?
- Was bekamen Sie zu essen und zu trinken? Gab es Toiletten oder sanitäre Einrichtungen?
- Konnten Sie Besuch erhalten?
- Aus welchem Grund waren die anderen Gefangenen inhaftiert? Kennen Sie Namen von Gefangenen, die später freigelassen wurden? Wenn ja, wo leben sie jetzt?
- Kennen Sie Namen von Gefangenen, die aus politischen Gründen inhaftiert wurden und noch festgehalten werden?
- Wurden die anderen Gefangenen verhört oder gefoltert?
- Waren unter den Gefangenen Frauen? Wenn ja, wurden die Frauen besonders behandelt?
- Starben Gefangene? Wenn ja, warum?
- Wurden Sie verhört? Wenn ja, wie oft, wann, von wem? Was wurde Ihnen bei den Verhören vorgeworfen? Was wollte man von Ihnen wissen? Wurden Sie bei den Verhören bedroht?
- Wurden Sie besonders schlecht behandelt?
- Wurden Sie dabei gefoltert? Wenn ja, wie?
- Haben Sie Spuren der Folter zurückbehalten?
- Wurden Sie sonst körperlich oder psychisch gefoltert? Wurden Sie geschlagen? Wenn ja, wie und wie oft? Sind Sie am Schlafen gehindert worden?
- Wann und wie sind Sie aus der Haft frei gekommen? Sind Sie geflohen? Wer hat Ihnen dabei geholfen? Haben Sie, Verwandte oder Freunde Bestechungsgeld gezahlt, um frei zu kommen? Wo versteckten Sie sich nach der Flucht?
- Lebten Sie nach der Freilassung im Untergrund? Wenn ja, wie? Wer half Ihnen? Wo versteckten Sie sich?
- Hatten Sie nach ihrer Befreiung noch Kontakt zu Ihrer Organisation?
- Waren Sie anschließend wieder politisch aktiv?
- Wurde nach Ihnen gesucht? Wenn ja, woher wissen Sie das?
- Wurden Sie anders als durch Verhaftungen politisch verfolgt? Wenn ja, beschreiben Sie bitte sehr genau, wie Sie verfolgt wurden!

Demonstrationen

Haben Sie vor Ihrer Ausreise an Demonstrationen teilgenommen?
Wenn ja, beantworten Sie bitte für jede Demonstration einzeln die folgenden Fragen:
- Wann (Datum, Uhrzeit) und wo (Stadt, Straße) begann die Demonstration?
- Was war ihr Ziel? Wer hat zu ihr aufgerufen?
- Waren Sie an der Vorbereitung beteiligt? Wenn ja, wie?
- Wie viele Menschen haben an der Demonstration teilgenommen?
- Sind die Demonstranten durch die Stadt gezogen? Durch welche Straßen?
- Wo haben Sie sich in der Menschenmenge aufgehalten?
- Haben Sie sich während der Demonstration in irgendeiner Weise hervorgetan (Ansprache etc.)?
- Welche Sicherheitskräfte haben die Demonstration beobachtet?
- Haben die Sicherheitskräfte eingegriffen? Wenn ja, wann, wo und wie? Wo waren Sie zu diesem Zeitpunkt?
- Gab es Tote oder Verletzte?
- Gab es während der Demonstration Verhaftungen? Nennen Sie bitte die Namen der Verhafteten!
- Gab es sonstige Zwischenfälle?
- Wann, wo und wie endete die Demonstration?
- Gab es nach der Demonstration Verhaftungen? Nennen Sie bitte die Namen der verhafteten Personen! Wo und wann wurden diese Personen verhaftet?
- Hat der Staat von Ihrer Beteiligung erfahren? Wenn ja, wie und wann?
- Wurden Sie im Anschluss an die Demonstration gesucht? Wenn ja, woher wissen Sie das?
- Wurde über die Demonstration in Zeitungen oder anderen Medien berichtet? Wenn ja, können Sie die Artikel o.ä. vorlegen?
- Gibt es im Bundesgebiet Zeugen Ihrer Demonstrationsteilnahme (Name, Adresse)?

6.2.4 Fluchtanlass
- Weshalb mussten Sie Ihr Land verlassen? Was war der konkrete Anlass?
- Spitzte sich Ihre Lage unmittelbar vor der Flucht besonders zu? Wenn ja: inwiefern? Gab es ein bestimmtes Ereignis, wurden z.B. Angehörige Ihrer Organisation verhaftet oder wurden Sie immer bei bestimmten Ereignissen festgenommen und wollten dem entgehen?
- Warum sind Sie nicht schon früher geflohen?
- Haben Sie bereits früher versucht, das Land zu verlassen? Haben Sie bei der Deutschen oder einer anderen Botschaft einen Visumsantrag gestellt? Warum ist die Ausreise gescheitert?
- Wo haben Sie unmittelbar vor der Flucht gelebt? Haben Sie sich versteckt gehalten? Wenn ja: wo? Wer hat Sie versorgt? Warum haben Sie nicht versucht, sofort außer Landes zu kommen?
- Wenn Sie sich zunächst in einem anderen Landesteil Ihres Herkunftslandes aufgehalten haben: Weshalb konnten Sie dort nicht bleiben?

6.2.5 Flucht
- Wann haben Sie Ihr Heimatland verlassen (Datum, Uhrzeit)?
- Wo haben Sie Ihr Heimatland verlassen?
- Welche Transportmittel haben Sie benutzt?
- Haben Sie für die Einreise in das Bundesgebiet ein Visum beantragt (hier sollte der Antragsteller eindringlich darauf hingewiesen werden, dass diese Angabe durch das BAFl überprüfbar ist)? Hatten Sie für einen anderen Staat ein Visum, wenn ja, für welchen?
- Wie kamen Sie – im Falle einer Einreise mit dem Flugzeug – an das Ticket? Können Sie es vorlegen (oder andere Unterlagen wie Bordkarte o.ä.)?
- Hatten Sie einen Pass? Können Sie ihn vorlegen?
- Wie haben Sie den Pass bekommen?
- Trug der Pass Ihren wirklichen Namen? Wenn nein, welcher Name stand in dem Pass? Warum wissen Sie den Namen im Pass nicht?
- War der Pass echt oder gefälscht? Enthielt er ein Visum?
- Haben Sie für den Pass Bestechungsgeld gezahlt? Wie viel? Woher kam das Geld?
- Beschreiben Sie die Grenzkontrollen, die Sie durchlaufen mussten!
- Hatten Sie bei der Grenzkontrolle Schwierigkeiten? Welche?
- Im Falle einer Ausreise über die offizielle Grenze: Wie erklären Sie es sich, dass Sie bei der Ausreise nicht festgenommen wurden?
- Waren Sie in Begleitung anderer Personen? Hat Ihnen jemand geholfen?
- Sind wegen Ihrer Flucht Ihre Familienmitglieder verhört, verhaftet, gefoltert oder getötet worden? Wenn ja, woher wissen Sie das? Wann war das?
- In welchen Ländern waren Sie nach dem Verlassen Ihres Heimatlandes?
- Wie lange waren Sie dort? Wo und wie lebten Sie dort? Hatten Sie ein Visum/ein Aufenthaltsrecht für diese Länder? Wie lange war das Visum gültig?
- Hätten Sie die Möglichkeit gehabt, in einem dieser Länder zu bleiben? Wenn nein, warum nicht?
- Wenn Sie längere Zeit in einem bestimmten Land waren: Warum waren Sie so lange in diesem Land und haben sich dann zur Flucht nach Deutschland entschieden?
- Haben Sie nach Ihrer Ausreise in einem anderen Land einen Asylantrag gestellt? Sind Sie nach Ihrer Ausreise in einem anderen Land (wegen illegaler Einreise) festgenommen/abgeschoben/ausgewiesen worden?
- Hatten Sie auf Ihrer Flucht ein bestimmtes Reiseziel?
- Welche Länder haben Sie auf Ihrer Flucht durchquert? Wenn Sie dies nicht wissen, weshalb nicht?
- Wann und wo kamen Sie im Bundesgebiet an?
- Beschreiben Sie die Einreisekontrollen!
- Haben Sie den Pass bei der Einreise selbst vorgelegt? Wenn nein, warum nicht?
- Sind Sie bei Ihrer Einreise in das Bundesgebiet abgeholt worden? Wenn ja, geben Sie bitte Name und Adresse dieses Zeugen an! Woher wusste er von Ihrer Ankunft? Hat er bereits auf Sie gewartet?
- Wann haben Sie sich bei den deutschen Behörden gemeldet? (Wenn zwischen Einreise und Meldung bei den Behörden längere Zeit verstrichen ist:) Warum erst dann?

6.2.6 Exilaktivitäten

Mitgliedschaft in einer Organisation
- Sind Sie Sympathisant oder Mitglied einer Exilorganisation?
- Wenn ja, seit wann?
- Wie heißt die Organisation?
- Was sind die Ziele dieser Organisation?
- Wie ist ihre Struktur?
- Kennen Sie die Namen ihrer Führer?
- Wie arbeitet die Organisation?
- Wie oft und wo nehmen Sie an Treffen der Organisation teil?
- Haben Sie eine konkrete Funktion in der Organisation? Was unterscheidet Sie von einem “einfachen” Mitglied der Organisation?
- Was haben Sie bisher für die Organisation getan? Wann, wo?
- Im Falle von Veranstaltungen, an denen Sie teilgenommen haben: Ist über diese Veranstaltung berichtet worden? Wenn ja, legen Sie entsprechende Unterlagen vor!
- Gibt es Zeugen für Ihre Aktivitäten (Name und Adresse)?
- Haben Sie Dokumente (z.B. Petitionen) der Organisation unterzeichnet? An wen wurden die Dokumente weitergereicht?
- Haben Sie einen Mitgliedsausweis oder ähnliches?
- Gab es in Ihrer Organisation Spione Ihres Heimatlandes? Woher wissen Sie das?
- Sind Sie für Ihre Organisation öffentlich (z.B. durch Redebeiträge bei Diskussionsveranstaltungen) aufgetreten?
- Wurde gegen Sie wegen der Teilnahme an exilpolitischen Aktivitäten im Bundesgebiet bereits strafrechtlich ermittelt (Staatsanwaltschaft/Gericht, Aktenzeichen)?
- Wird Ihre Organisation im Verfassungsschutzbericht von Bund/Ländern genannt?

Demonstrationen
- Haben Sie an Demonstrationen teilgenommen? Könnten Sie durch Zeugen (Name und Adresse) oder Fotos Ihre Teilnahme beweisen?
- Wann, wo war die Demonstration?
- Weshalb fand die Demonstration statt?
- Was war Ihre Aufgabe während der Demonstration? Haben Sie sich durch eine Rede o.ä. von den anderen Teilnehmern abgehoben?
- Ist über sie berichtet worden, wenn ja, wo? Auch in den Medien Ihrer Heimat?
- Wie viele Teilnehmer gab es?

(Zeitungs-)Artikel
- Haben Sie selbst (Zeitungs-)Artikel publiziert, die sich gegen die Regierung Ihrer Heimat richten? Wenn ja, wo (Vorlage des Dokumentes, Angabe der internet-Adresse)?
- Welchen politischen Hintergrund hat das Medium, in dem die Veröffentlichung erfolgte?
- Wo und in welcher Auflage erscheint es, wie wird es verbreitet?
- Sollte die Veröffentlichung im internet oder im Bundesgebiet – z.B. in einer Exilzeitschrift - erfolgt sein: Wie kann Ihr Herkunftsstaat von der Veröffentlichung Kenntnis erhalten (wird z.B. ein Belegexemplar an die Heimatbotschaft versandt o.ä.)?
- Ist gegen Sie aufgrund der Veröffentlichung im Herkunftsland ein Strafverfahren anhängig (Bsp. Pressestrafrecht in der Türkei)?

6.2.7. Sonstiges
- Waren Sie früher schon einmal in der Bundesrepublik? Wenn ja, wann? Haben Sie damals Asyl beantragt (wenn ja, müsste hier nach Einzelheiten – Verfahrensausgang, Rechtsanwalt, erfolgte Abschiebung – gefragt werden)?
- Haben/hatten Sie in der Bundesrepublik einen Rechtsanwalt?
- Haben Sie physische oder psychische Beschwerden wegen der erlittenen politischen Verfolgung? Waren Sie deshalb in ärztlicher Behandlung? Haben Sie von Ihrem Arzt schon ein Attest erhalten?
- Was würde Ihnen passieren, wenn Sie in Ihr Heimatland zurückkehren müssten?
- Leiden Sie an einer Erkrankung, die eine regelmäßige ärztliche Kontrolle/die Einnahme von Medikamenten erfordert? Wenn ja, um welche Erkrankung handelt es sich? Welche Medikamente müssen Sie einnehmen? Wann wurde die Erkrankung festgestellt? Wurden Sie bereits in Ihrer Heimat behandelt? Wären Sie im Falle Ihrer Rückkehr finanziell in der Lage, die Behandlung fortzusetzen? Wenn nein, weshalb nicht (hier sollte der familiäre Hintergrund beleuchtet werden: Wer ist noch im Herkunftsland, wer kann den Antragsteller finanziell unterstützen)?
- Bei Mädchen/Frauen: Wird in der Volksgruppe, der Sie angehören, Zwangsbeschneidung praktiziert? Würde Ihnen/Ihrer Tochter im Falle der Rückkehr die Zwangsbeschneidung drohen? Könnten Sie/Ihre Tochter dem entkommen, in dem Sie z.B. innerhalb des Landes umziehen? Wenn nein, weshalb nicht?
- Konnten Sie Ihre Religion im Herkunftsland praktizieren (offen/versteckt)? Welche staatlichen Maßnahmen gab es gegen Angehörige Ihrer Religion?
- Im Falle unbegleiteter minderjähriger Antragsteller: Welche Familienangehörigen leben wo im Herkunftsland? Könnten sie Sie finanziell im Falle der Rückkehr unterstützen? Wenn nein, weshalb nicht?

   
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