VG Magdeburg

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Zitieren als:
VG Magdeburg, Urteil vom 27.03.2007 - 4 A 6/07 MD - asyl.net: M10124
https://www.asyl.net/rsdb/M10124
Leitsatz:
Schlagwörter: Irak, Abschiebungshindernis, zielstaatsbezogene Abschiebungshindernisse, Krankheit, Wachstumsstörung, medizinische Versorgung, allgemeine Gefahr, Erlasslage, Abschiebungsstopp
Normen: AufenthG § 60 Abs. 7
Auszüge:

Der Kläger hat Anspruch auf Gewährung von Abschiebungsschutz nach § 60 Abs. 7 AufenthG, der die Vorschrift des § 53 Abs. 6 AuslG ersetzt.

Dieser ergibt sich zur Überzeugung des Gerichts unter Würdigung der derzeitigen medizinischen Versorgungslage im Irak für den Kläger aufgrund der im fachärztlichen Gutachten vom 16.02.2007 detailliert und nachvollziehbar geschilderten Gesundheitsprobleme des Klägers. Im Gegensatz zu der vorangegangenen Entscheidung des Gerichts, stellt sich die Situation des Klägers unter besonderer Berücksichtigung seines jetzigen Lebensalters und der damit verbundenen stärkeren Wachstums- und körperlichen Entwicklungsphase nunmehr im Hinblick auf die Frage des Vorliegens der Voraussetzungen des § 60 Abs. 7 AufenthG anders dar. Durch das nunmehr und in absehbarer Zeit deutlich zunehmende Längenwachstum des heute achtjährigen Klägers, das bereits heute etwa 2 cm/Monat beträgt und eine regelmäßige Kontrolle und Anpassung bzw. Neuanfertigung der inzwischen vorhandenen Orthese erforderlich macht, ist nunmehr zu erkennen, dass eine unterbleibende Weiterbehandlung des Klägers in absehbarer Zeit zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für den Kläger im Hinblick auf die Mobilität, den Beckenbereich, die Wirbelsäule sowie die Entwicklung der inneren Organe führen würde. Diesbezüglich wird auf die fachärztliche Stellungnahme (Bl. 42 der Gerichtsakte), die das Gericht für nachvollziehbar hält, verwiesen. Insoweit ist nunmehr in absehbarer Zeit bei Unterbleiben einer Weiterbehandlung des Klägers in seiner Heimat mit einer erheblichen Gesundheitsgefahr im Sinne einer "Gesundheitsbeeinträchtigung von besonderer Intensität" (vgl. dazu: BVerwG, Beschl. v. 24.05.2006 - 1 B 118/05, NVwZ 2007, 345 f.) zu rechnen. Denn das Gericht ist davon überzeugt, dass der Kläger, der sich auch in Deutschland in der Behandlung einer Spezialklinik befindet, im Irak aufgrund der dort bereits nicht zuverlässig gegebenen medizinischen Grundversorgung nicht adäquat weiterversorgt und betreut werden könnte (vgl. insoweit: zur medizinischen Versorgungslage: Urteil der Kammer vom 21.12.2006 - 4 A 458/04 MD und Lagebericht des Auswärtigen Amtes vom 29.06.2006). Dass sich diese Versorgungslage im Irak im Jahr 2007 grundlegend geändert hat, vermag das Gericht nicht zu erkennen.