VG Gießen

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Zitieren als:
VG Gießen, Urteil vom 18.04.2007 - 2 E 1224/06.A - asyl.net: M10548
https://www.asyl.net/rsdb/M10548
Leitsatz:
Schlagwörter: Afghanistan, Abschiebungshindernis, zielstaatsbezogene Abschiebungshindernisse, DVPA, Mitglieder, Geheimdienste, Khad, Racheakte, Blutrache, allgemeine Gefahr, extreme Gefahrenlage, alleinstehende Personen, soziale Bindungen
Normen: AufenthG § 60 Abs. 7
Auszüge:

Die zulässige Klage ist begründet.

Bei dem Kläger liegen zum hier maßgeblichen Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung weiterhin die Voraussetzungen des § 53 Abs. 6 AuslG (jetzt: § 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG) vor.

Aufgrund des schlüssigen, nachvollziehbaren und glaubhaften Vorbringens des Klägers sowohl in seinem Asylverfahren als auch im vorliegenden Widerrufsverfahren und den Ausführungen des Dr. Danesh in seinem Gutachten vom 17.10.2006, welches auf persönlichen Recherchen des Gutachters hinsichtlich der Biografie des Klägers beruht, ist das Gericht davon überzeugt, dass der Kläger im Falle seiner Rückkehr in sein Heimatland einer konkreten Gefahr an Leib und Leben ausgesetzt ist. Das Gericht hat keine Zweifel daran, dass der Kläger der DVPA sowie dem Geheimdienst Khad angehörte und im Rahmen seiner Geheimdiensttätigkeit zahlreiche Verhaftungen getätigt hat; von einer Zeugeneinvernahme der vom Kläger zur mündlichen Verhandlung mitgebrachten Zeugen wird daher abgesehen. Ebenso glaubhaft ist dargetan, dass der Kläger auch heute noch in seinem Heimatland Racheakte solcher ehemals von ihm verhafteter Gegner (Putschisten, Mudjaheddin) befürchten muss, die nunmehr in Afghanistan wiederum bedeutsamer und einflussreiche Positionen, insbesondere im Polizeidienst und in der Armee bzw. im Verteidigungsministerium bekleiden.

Unabhängig von den vorgenannten Umständen gehört der Kläger darüber hinaus zu der Gruppe afghanischer Flüchtlinge, für die die Kammer in verfassungskonformer Anwendung von § 60 Abs. 7 AufenthG ein Abschiebungsverbot annimmt. Dies betrifft solche afghanische Staatsangehörige, die bei einer Rückkehr in ihr Heimatland nicht auf familiäre Unterstützung in Kabul zurückgreifen können (ebenso: VG Meiningen vom 16.11.2006, 8 K 20639/03 Me; VG Köln vom 12.04.2006, 14 K 700/04.A; VG Sigmaringen vom 16.03.2006, A 2 K 10668/05; VG Karlsruhe vom 09.11.2005, A 10 K 12302/03, AuAS 2006, 47).