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Zitieren als:
, Bescheid vom 19.12.2005 - 5180657-221 - asyl.net: M7979
https://www.asyl.net/rsdb/M7979
Leitsatz:
Schlagwörter: Algerien, Folgeantrag, Ehrenmord, Familienangehörige, Zwangsprostitution, nichtstaatliche Verfolgung, geschlechtsspezifische Verfolgung
Normen: AufenthG § 60 Abs. 1; AsylVfG § 71 Abs. 1; VwVfG § 51
Auszüge:

Am 29.08.2005 stellte die Antragstellerin mit Schreiben ihrer Rechtsanwälte einen Antrag auf Durchführung eines weiteren Asylverfahrens (Folgeantrag), der auf § 60 Abs. 1 AufenthG beschränkt wurde. Zur Begründung wurde im Rahmen der informatorischen Anhörungen und den Rechtsanwaltsschreiben im Wesentlichen vorgetragen, dass die Antragstellerin nachdem bekannt geworden war, dass sie zwangsweise der Prostitution zugeführt worden war, durch die männlichen Familienangehörigen Ehrenmord befürchten müsse. Ihr Vater habe sie bedroht. Er habe ihr mitgeteilt, dass er auch die in Algerien lebenden Verwandten über den Sachverhalt unterrichtet habe und sie aufgefordert hätte, sie im Fall einer Rückkehr nach Algerien zu bestrafen.

Bei dem vorliegenden Antrag handelt es sich um einen Folgeantrag nach § 71 Abs. 1 Asylverfahrensgesetz (AsylVfG). Ein weiteres Asylverfahren ist daher nur durchzuführen, wenn die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 bis 3 Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) erfüllt sind, mithin Wiederaufgreifensgründe vorliegen.

Die Voraussetzungen für die Durchführung eines erneuten Asylverfahrens sind vorliegend gegeben.

Die Antragstellerin hat glaubhaft vorgetragen, dass ihr im Fall einer Rückkehr nach Algerien mit hinreichender Sicherheit geschlechtsspezifische Verfolgungsmaßnahmen durch männliche Familienangehörige drohen, ohne dass staatlicher Schutz verfügbar ist. Eine inländische Fluchtalternative steht der alleinstehenden Frau ohne familiären Rückhalt nicht zur Verfügung.

1. Dem Antrag wird entsprochen; die Voraussetzungen des § 60 Abs. 1 AufenthG liegen vor.

Auf Grund des von ihr geschilderten Sachverhaltes und der hier vorliegenden Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass die Antragstellerin im Falle einer Rückkehr nach Algerien zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit Verfolgungsmaßnahmen i.S. von § 60 Abs. 1 AufenthG ausgesetzt sein würde.