VG Gießen

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Zitieren als:
VG Gießen, Urteil vom 04.04.2006 - 2 E 401/05.A - asyl.net: M8136
https://www.asyl.net/rsdb/M8136
Leitsatz:

§ 60 Abs. 7 AufenthG wegen schwerer psychischer Erkrankung (hier: Depression); eine angemessene therapeutische Behandlung ist in Syrien nicht möglich.

 

Schlagwörter: Syrien, zielstaatsbezogene Abschiebungshindernisse, Krankheit, psychische Erkrankung, Depression, Suizidgefahr, medizinische Versorgung, Finanzierbarkeit
Normen: AufenthG § 60 Abs. 7
Auszüge:

§ 60 Abs. 7 AufenthG wegen schwerer psychischer Erkrankung (hier: Depression); eine angemessene therapeutische Behandlung ist in Syrien nicht möglich.

(Leitsatz der Redaktion)

 

Der Klägerin steht ein Anspruch auf Zuerkennung von Abschiebungsschutz nach § 60 Abs. 7 AufenthG zu.

So ist zunächst festzustellen, dass die Klägerin durch die Vorlage diverser ärztlicher und klinischer Bescheinigungen nachgewiesen hat, dass sie an schweren Depressionen mit Angstattacken und Hyperventilation leidet.

Bei verfassungskonformer Auslegung des § 60 Abs. 7 AufenthG ergibt sich daher im Falle der Klägerin die konkrete Gefahr, dass sich ihre Krankheit alsbald nach einer Rückkehr nach Syrien wesentlich bis hin zur Lebensbedrohlichkeit mit Folge von Suizidgefahr verschlechtern würde. Grund hierfür wäre zum einen der Umstand, dass die Gründe für die Erkrankung der Klägerin in Erlebnissen begründet liegen, die sie in Syrien hatte, zusammen mit dem Umstand, dass es sich nach Überzeugung des Gerichts für die Klägerin in Syrien als ein Ding der Unmöglichkeit darstellen würde, ihre Erkrankung angemessen therapeutisch behandeln zu lassen. So besteht in der gesamten Heimatprovinz Hasake der Klägerin nicht die Möglichkeit, sich durch einen Facharzt für Psychiatrie behandeln zu lassen. Die nächstgelegene Stadt, in der eine solche Behandlung gewährleistet ist, ist das etwa 400 km entfernt liegende Aleppo, was mit dem Bus eine durchschnittliche Fahrtzeit von 4 bis 5 Stunden bedeuten würde. Hinzu kommt, dass eine regelmäßige psychiatrische Behandlung von Personen mit durchschnittlichem Einkommen in Syrien nicht bezahlt werden kann (vgl. zu alledem: Europäisches Zentrum für kurdische Studien, Savelsberg und Hajo, an Rechtsanwalt Walliczek vom 23.06.2004). Hinzu käme, dass die Klägerin, da sich ihre Familienangehörigen ganz überwiegend in Deutschland aufhalten, zudem ihr Ehemann in der Haft verschollen zu sein scheint, in ihrem Heimatort ganz auf sich allein gestellt wäre.