VG Oldenburg

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Zitieren als:
VG Oldenburg, Urteil vom 18.01.2006 - 5 A 2739/04 - asyl.net: M8299
https://www.asyl.net/rsdb/M8299
Leitsatz:
Schlagwörter: Türkei, Kurden, Krankheit, Abschiebungshindernis, zielstaatsbezogene Abschiebungshindernisse, psychische Erkrankung, posttraumatische Belastungsstörung, Retraumatisierung
Normen: AufenthG § 60 Abs. 7
Auszüge:

Die Gutachterin kommt in ihrem Gutachten vom 23. September 2005 zu der Feststellung, dass die Klägerin gegenwärtig unter einer chronifizierten posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1) und einer leichten depressiven Episode (ICD-10: F 32.0) leidet, weiche sich in introsivem Erleben, Angst- und Vermeidungsverhalten und Übererregung äußert (S. 66 des Gutachtens/S. 140 der Gerichtsakte). Diese posttraumatische Belastungsstörung ist nach Einschätzung der Gutachterin mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die im Heimatland erlittenen Erlebnisse zurückzuführen (S. 72 des Gutachtens/S. 146 der Gerichtsakte). Im Falle einer Rückkehr in die Türkei wäre daher mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Retraumatisierung zu rechnen, mit der Folge, dass sich der psychische und körperliche Zustand der Klägerin weiter erheblich verschlechtern und die posttraumatischen Beschwerden erheblich zunehmen würden (Ergänzungsgutachten vom 8. März 2006 S. 210 ff. der Gerichtsakte). Dabei ist auch mit einer lebensbedrohlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands zu rechnen, weil in diesem Fall ein psychotischer Zusammenbruch und damit einhergehende suizidale Handlungen nicht auszuschließen seien (Ergänzungsgutachten S. 9/S. 216ff. der Gerichtsakte). Nach alledem ist das Gericht zu der Überzeugung gelangt, dass die Klägerin unmittelbar nach ihrer Rückkehr in die Türkei wegen der fehlenden Möglichkeit einer ausreichenden und sachgerechten Behandlung ihrer Krankheit und insbesondere der drohenden Retraumatisierung und Dekompensation mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit damit rechnen müsste, alsbald in eine lebensbedrohliche, menschenunwürdige Lage zu geraten.