VG Ansbach

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Zitieren als:
VG Ansbach, Urteil vom 20.03.2007 - AN 1 K 06.30948 - asyl.net: M10692
https://www.asyl.net/rsdb/M10692
Leitsatz:
Schlagwörter: Türkei, Glaubwürdigkeit, Situation bei Rückkehr, Grenzkontrollen, abgelehnte Asylbewerber, exilpolitische Betätigung, Artikel, Zeitschriften, Abschiebungshindernis, zielstaatsbezogene Abschiebungshindernisse, Krankheit, medizinische Versorgung, Finanzierbarkeit, yesil kart, Grüne Karte
Normen: GG Art. 16a Abs. 1; AufenthG § 60 Abs. 1; AufenthG § 60 Abs. 7
Auszüge:

Asylrechtlichen Schutz nach Art. 16 a Abs. 1 GG genießen politisch Verfolgte.

Der Kläger hat nicht glaubhaft machen können, sein Heimatland unter dem Eindruck bestehender oder unmittelbar bevorstehender politischer Verfolgung, mithin in aussichtsloser Lage verlassen zu haben. Ihm droht bei Rückkehr in die Türkei auch nicht mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit politische Verfolgung.

Der Einzelrichter geht vielmehr davon aus, dass der Kläger wegen beruflicher Probleme in der Türkei tatsächlich und ausschließlich die Absicht hatte, in Deutschland zu studieren, und die Ausstellung des Reisepasses und des Visums höchstpersönlich beantragt hat.

Auch die Voraussetzungen des § 60 Abs. 1 AufenthG liegt nicht vor.

Das erkennende Gericht folgt bei der Beurteilung exilpolitischer Aktivitäten türkischer Staatsangehöriger kurdischer Volkszugehörigkeit in Übereinstimmung mit den Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes (Lagebericht vom 11. Januar 2007; Auskunft vom 28. Januar 1998 an das VG Hannover und vom 1. März 2001 an das VG Schleswig) der gefestigten obergerichtlichen Rechtsprechung, dass eine Verfolgungsgefahr kurdischer Volkszugehöriger aus der Türkei wegen derartiger Aktivitäten nur im Falle herausragender Tätigkeit gegeben ist (OVG Berlin, Urteil vom 25. September 2003 - 6 B 8.03 -; Hessischer VGH, Urteile vom 22. September 2003 - 12 UE 2351/02.A, 5. August 2002 - 12 UE 2172/99.A - und vom 7. Dezember 1998 - 12 UE 232/97.a - OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 19. Februar 2004 - 15 A 4205/02.A -; Urteile vom 27. Juni 2002 - 8 A 4782/99.A - und vom 25. Januar 2000 - 8 A 1292/96.A -; OVG Thüringen, Urteil vom 29. Mai 2002 - 3 KO 540/97 -; OVG Magdeburg, Beschluss vom 8. November 2000 - A 3 S 657/98 -; OVG Lüneburg, Urteil vom 11. Oktober 2000 - 2 L 4591/94 -; VHG Mannheim, Beschluss vom 14. September 2000 - A 12 S 1231/99 -; VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 8. Juli 1998 - A 12 S 3034/976 -; OVG Bremen, Urteil vom 11. Dezember 1998 - 2 BA 114/94; OVG Lüneburg, Beschluss vom 30. Oktober 1998 - 11 L 3855/98 -; OVG Saarland, Beschluss vom 19. November 1998 - 9 Q 175/97 -; BayVGH, Beschluss vom 12. August 1997 - 11 BA 96.33496 -).

Öffentliche Äußerungen, auch in Zeitungsannoncen oder -artikeln, sowie Beteiligungen an Demonstrationen im Ausland zur Unterstützung kurdischer Belange sind nach türkischen Recht nur dann strafbar sind, wenn sie als Anstiftung zu konkret separatistischen und terroristischen Aktionen in der Türkei oder als Unterstützung illegaler Organisationen gemäß der gültigen Fassung des türkischen Strafgesetzbuches gewertet werden können.

Zurückkehrende Asylbewerber kurdischer Volkszugehörigkeit werden nicht routinemäßig, d. h. ohne Vorliegen von Besonderheiten, allein auf Grund eines längeren Auslandsaufenthalts und der Asylantragstellung (s. BVerfG, Beschluss vom 12. Oktober 1994 - 2 BvR 18/94 -, NVwZ-Beilage 3/1995, 18, mit Hinweis auf Rechtsprechung des Senats) bei der Wiedereinreise inhaftiert und asylerheblichen Misshandlungen oder Folter ausgesetzt (Hessischer VGH, Urteil vom 5. August 2002 - 12 UE 2172/99.A -, OVG Nordrhein-Westfalen, Urteile vom 27. Juni 2002 - 8 A 4782/99.A - und vom 25. Januar 2000 - 8 A 1292/96.A -; OVG Magdeburg, Beschluss vom 8. November 2000 - A 3 S 657/98 -; OVG Lüneburg, Urteil vom 11. Oktober 2000 - 2 L 4591/94 -; VGH Baden-Württemberg, Urteile vom 10. November 1999 - A 12 S 2013/97 -, 02. April 1998 - A 12 S 1092/96 -, 02. Juli 1998 - A 12 S 1006/97 - und - A 12 S 3031/96 -, 21 Juli 1998 - A 12 S 2806/96 - sowie vom 22. Juli 1999 - A 12 S 1891/97 -).

Gesichtspunkte, nach denen dem Kläger in der Türkei erhebliche konkrete Gefahren für Leib, Leben oder Freiheit drohten (§ 60 Abs. 7 AufenthG) sind gleichfalls nicht ersichtlich.

In der Türkei gibt es neben dem staatlichen Gesundheitssystem, das eine medizinische Grundversorgung garantiert, mehr und mehr leistungsfähige private Gesundheitseinrichtungen, die in jeglicher Hinsicht EU-Standard entsprechen.

Bedürftige haben das Recht, sich von der Gesundheitsverwaltung eine "Grüne Karte" ("yesil kart") ausstellen zu lassen, die zu kostenloser medizinischer Versorgung im staatlichen Gesundheitssystem berechtigt.