VG Münster

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Zitieren als:
VG Münster, Urteil vom 25.10.2005 - 10 K 1471/04.A - asyl.net: M7854
https://www.asyl.net/rsdb/M7854
Leitsatz:
Schlagwörter: Irak, Kurden, Ehrenmord, Glaubwürdigkeit, Zwangsheirat, außerehelicher Geschlechtsverkehr, Flüchtlingsfrauen
Normen: AufenthG § 60 Abs. 1; AufenthG § 60 Abs. 7
Auszüge:

Die Klägerin hat aber einen Anspruch darauf, dass die Beklagte feststellt, sie unterliege einem Abschiebungsverbot gemäß § 60 Abs. 7 AufenthG. Dass die Gefahr eines sogenannten Ehrenmordes ein Abschiebungshindernis gemäß § 53 Abs. 1 AuslG (§ 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG) zu begründen vermag, ist auch Auffassung des Bundesamtes, was auf Seite 4, 2. Absatz, 1. Satz des angegriffenen Bescheides ausdrücklich eingeräumt wird. Entgegen der Auffassung des Bundesamtes ist das Gericht aufgrund der mündlichen Verhandlung aber auch zu dem Ergebnis gelangt, dass für die Klägerin in ihrer Heimat eine erhebliche konkrete Leib- und Lebensgefahr besteht. Die Klägerin machte in der mündlichen Verhandlung einen glaubwürdigen Eindruck. Das Gericht nimmt ihr ab, dass ihr Vater sie zu töten beabsichtigte, weil sie sich seinem Willen widersetzte, den vom Vater für sie vorgesehenen Cousin zu heiraten, und sich statt dessen einem anderen, von ihr geliebten Jungen zuwandte, mit dem sie auch außereheliche sexuelle Kontakte pflegte. Die Klägerin machte glaubhaft, dass sie durch dieses Verhalten nach den in ihrer Heimat herrschenden Vorstellungen Schande auf sich geladen und den bis zu einer Tötungsabsicht gesteigerten Zorn ihres unversöhnlichen und durch andere Familienangehörige auch nicht zu beeinflussenden Vaters auf sich gezogen hatte. Dabei wurden die Angaben der Klägerin in der mündlichen Verhandlung untermauert durch die Vernehmung ihres Ehemanns als Zeuge. Auch dieser bestätigte, schon früh sexuelle Kontakte zu seiner damaligen Freundin aufgenommen und vergeblich bei deren Vater um ihre Hand angehalten zu haben. Das Vorbringen der Klägerin und auch die Angaben ihres Ehemanns stimmten insoweit ganz wesentlich überein, und zwar auch in solchen Fragen, die etwa den Ort und die Zeit des Zusammenseins oder eine mögliche Empfängnisverhütung betrafen. Weitere Angaben zu der zwischen der Klägerin und ihrem Ehemann bestehenden vorehelichen sexuellen Beziehung waren unter den gegebenen Umständen, namentlich auch mit Blick auf die Intimsphäre der Eheleute, nicht zu erwarten.