VG Koblenz

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Zitieren als:
VG Koblenz, Urteil vom 05.03.2007 - 7 K 1419/06.KO - asyl.net: M10042
https://www.asyl.net/rsdb/M10042
Leitsatz:
Schlagwörter: Serbien, Kosovo, Abschiebungshindernis, zielstaatsbezogene Abschiebungshindernisse, Krankheit, psychische Erkrankung, posttraumatische Belastungsstörung, Suizidgefahr, Wiederaufgreifensantrag, fachärztliche Stellungnahmen
Normen: AufenthG § 60 Abs. 1; VwVG § 51
Auszüge:

Die Klage ist zulässig und auch begründet.

Gemäß § 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG kann von der Abschiebung eines Ausländers in einen anderen Staat abgesehen werden, wenn dort für diesen Ausländer eine erhebliche konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit besteht.

Dabei kann letztlich offen bleiben, ob sich die Gefahr einer derartigen Verschlechterung vorliegend möglicherweise bereits aus dem Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung in Verbindung mit der Gefahr einer Retraumatisierung und/oder fehlenden bzw. für den Kläger nicht zugänglichen ausreichenden Behandlungsmöglichkeiten im Kosovo ergibt.

Jedenfalls droht dem Kläger im Falle einer Abschiebung nach Serbien gerade dort - und damit auch zielstaatsbezogen - eine ernsthafte Lebensgefahr infolge Suizidalität.

Dass der Kläger jedenfalls an einer schweren depressiven Problematik - deren genaue Klassifizierung hier letztlich dahinstehen kann - verbunden mit einer Angststörung leidet, erscheint durch das zwischenzeitlich vorliegende ausführliche, in sich schlüssige und gut nachvollziehbare Gutachten der Frau Dr. ... vom 18. Dezember 2006 und den nachträglich noch vorgelegten Nachweis über die amtsärztliche Begutachtung im März 2005 ausreichend belegt.

Der Kläger hat eigenem glaubhaftem Bekunden zufolge gerade die ihm nach seiner Rückkehr in den Kosovo entgegengeschlagene massive Ablehnung als so belastend erlebt, dass er Anfang 2002 fluchtartig und ohne Abschied von den Eltern erneut das Land verlassen hat. Bei heutiger Rückkehr würde er mithin - durch seine Erkrankung ohnehin bereits erheblich vorbelastet - zwangsweise in eine von ihm in nachvollziehbarer Weise als aussichtslos angesehene Situation zurückversetzt.

Ausreichende Anhaltspunkte für die beachtlich wahrscheinliche Möglichkeit, die nach alledem unmittelbar nach einer Abschiebung des Klägers in seine Heimat ernsthaft in Rechnung zu stellenden Suizidgefahr mittels dort sofort einsetzender, wirksamer und engmaschiger Betreuung entgegenzuwirken, bestehen im vorliegenden Einzelfall nicht.