Informationen für Schutzsuchende aus Afghanistan

Im Sommer 2021 kam es zu dramatischen Entwicklungen in Afghanistan. Diese führen auch dazu, dass sich viele Menschen danach erkundigen, wie Familienangehörige, Freund*innen und Kolleg*innen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht werden können. Inzwischen wurden verschiedene Informationen hierzu veröffentlicht, auf die wir hier hinweisen möchten. Aufgrund der sich schnell ändernden Lage und neu hinzukommenden Informationen können diese Angaben schnell überholt sein. Wir bitten daher darum, die Aktualität zu überprüfen. Für Hinweise auf unzutreffende oder veraltete Informationen sind wir dankbar.

Zuletzt aktualisiert: 12.11.2021

 

Evakuierung/Ausreise

Die Evakuierung von deutschen Staatsangehörigen und „weiteren gefährdeten Menschen“ durch die Bundeswehr lief zwischen dem 16. August und dem 27. August 2021. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden dabei rund 5.300 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Die Bundesregierung hat zugesichert, dass es auch nach dem Ende der Evakuierungsmission Ausreisemöglichkeiten für im Land verbliebene Ortskräfte und andere gefährdete Menschen geben soll.

 

Ortskräfte

Eilrechtsschutz durch das VG Berlin: Verpflichtung zur Erteilung von Visa für eine afghanische Ortskraft und Familie

Das VG Berlin hat am 25. August 2021 im Eilverfahren das Auswärtige Amt verpflichtet, einem afghanischen Staatsangehörigen, der bis 2017 für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig war, ein Visum zu erteilen. Auch seiner Frau und drei Kindern (zwei davon volljährig) wurde ein Visumsanspruch zugesprochen. Die Familie, die sich noch in Kabul aufhält, hatte Anfang August 2021 Visumsanträge gestellt, die behördlich abgelehnt worden waren. Die 10. Kammer des VG Berlin sieht einen Anspruch auf Aufnahme nach § 22 AufenthG als gegeben an, das behördliche Ermessen sei auf Null reduziert. (Beschluss vom 25.8.2021 - VG 10 L 285/21 V – hier der Link zur Pressemitteilung).

 

Laufend aktualisierte Informationen

Mehrsprachige Informationen bei handbookgermany.de: Regelmäßig aktualisierte Informationen auf Farsi/Dari, Pashto, Englisch und Deutsch.

  • Informationen für Menschen in Afghanistan
  • Informationen für Afghan*innen in Deutschland
  • Informationen für Helfer*innen

Die Diakonie Württemberg hat "Aktuelle Informationen zu Afghanistan" herausgegeben, der regelmäßig aktualisiert wird. Er enthält u.a. diese Abschnitte:

  • Pressechronik
  • Hinweise zur Aufnahme von Ortskräften und gefährdeten Personen
  • Hinweise für in Deutschland lebende Afghanen
  • Hinweise zur Ausreise aus Afghanistan
  • Hinweise für Schutzsuchende in Afghanistan
  • Informationen zur Situation Abgeschobener, zur Sicherheitslage und zur gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lage in Afghanistan

UNHCR-Informationen: Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, stellt aktuelle Hinweise zur Kontaktaufnahme bereit:

Der Flüchtlingsrat Niedersachsen hat ein Informationsportal "Ausreise aus Afghanistan?" mit umfassenden und laufend aktualisierten Informationen zusammengestellt:

  • Informationen auf Deutsch, Farsi/Dari
  • Kontaktdaten des Auswärtigen Amts und Informationen zum Verfahren und den erforderlichen Angaben (inkl. Formular)
  • Informationen zur Situation am Flughafen Kabul und Telefon-Hotline zur Situation am Flughafen
  • Kontaktstellen für Ortskräfte der GIZ und gefährdete Journalist*innen
  • Informationen zur Ausreise in andere Staaten
  • Weitere Informationen zur Unterstützung Schutzsuchender, zu Spenden und Petitionen
  • Informationen zur Ankunft in Deutschland

Die Caritas stellt Informationen auf der Seite resettlement.de zur Verfügung:

  • Hinweise zur Aufnahme aus dem Ausland nach § 22 AufenthG
  • Weiterführende Links

Der Flüchtlingsrat Bayern hat ein Informationsportal "Aktuelle Informationen" veröffentlicht:

  • Hinweise zur Ausreise aus Afghanistan nach Deutschland und in andere Staaten
  • Informationen zur Situation in Afghanistan und am Flughafen Kabul
  • Hinweise für afghanische Staatsangehörige in Deutschland
  • Informationen zu Spenden, zu Unterstützungsmöglichkeiten und Aktionen

Auf der Seite Berlin Hilft finden sich diese Informationen:

  • Kontaktdaten des Auswärtigen Amts
  • Antworten auf Anfragen an das Auswärtige Amt
  • Informationen zur Ausreise in andere Staaten

 

Familienzusammenführung

Laut UNHCR sollen Personen mit anhängigen Visaverfahren zur Familienzusammenführung oder mit entsprechenden Anfragen mit den Auslandsvertretungen in Kontakt bleiben, die das Verfahren führen oder sich an die nächstgelegene deutsche Auslandsvertretung wenden. Sobald aktuelle Informationen zu diesem Verfahren vorliegen, werden diese auch bei familie.asyl.net veröffentlicht.

DRK-Suchdienst-Beratungsstellen nehmen Suchanfragen zu in Afghanistan vermissten Familienangehörigen (auch bei Kontaktverlust aufgrund der aktuellen Situation) auf und beraten und unterstützen bei Fragen der Familienzusammenführung.

Nach Angaben des Flüchtlingsrats Bayern gibt es noch keine genaueren Informationen zur beschleunigten Aufnahme von Personen, die bereits Familiennachzug beantragt haben, deren Visaverfahren also anhängig sind. Es könne versucht werden über das Bayerische Innenministerium eine Aufnahmezusage nach § 22 AufenthG zu erhalten. Dies gelte insbesondere für schutzbedürftige Personen mit besonderer Gefährdungslage, die in Bayern lebende Angehörige haben. Konkret: Ehefrauen, ggf. Schwestern, ggf. Kinder bis zum 21. Lebensjahr und evtl. auch Männer unter 21 Jahren, die im Familienverbund leben. (https://www.fluechtlingsrat-bayern.de/https-www-fluechtlingsrat-bayern-de-update-afghanistan/ unter „Ausreise aus Afghanistan nach Deutschland“)

 

Afghan*innen in Deutschland

Informationen zum Asylverfahren und Aufenthalt bei bereits in Deutschland befindlichen afghanischen Staatsangehörigen:

  • Der Deutsche Caritasverband hat eine Handreichung "Folgeanträge von afghanischen Staatsbürger_innen in Deutschland im Lichte der Machtübernahme der Taliban" herausgegeben. Sie wurde erarbeitet von Rechtsanwältin Regina Jördens-Berneburg (Stand: 15. September 2021).
  • Der Flüchtlingsrat Bayern hat ein Schreiben des Rechtsanwalts Hubert Heinhold (München) veröffentlicht, in dem Hinweise zu asyl- und aufenthaltsrechtlichen Fragestellungen enthalten sind.
    • Laufende Asylverfahren seien beim BAMF derzeit ausgesetzt.
    • Auch anhängige Gerichtsverfahren würden ausgesetzt oder das Ruhen des Verfahrens angeordnet. Zum Teil sei Betroffenen ein Abschiebungsgebot nach § 60 Abs. 5 AufenthG angeboten worden. Es sei empfehlenswert ein solches derzeit nicht anzunehmen, da möglich sei, dass später Flüchtlingsschutz gewährt wird.
    • Abschiebungen nach Afghanistan seien ausgesetzt und seien absehbar nicht zu erwarten.
    • Afghanischen Staatsangehörigen mit Duldung wird geraten, wenn einschlägig, die Beschäftigungserlaubnis und bei „Duldungen für Personen mit ungeklärter Identität“ nach § 60b AufenthG eine Reguläre Duldung nach § 60a AufenthG zu beantragen, da solchen Anträgen stattgegeben werden müsste.
    • Von der Stellung von Folgeanträgen wird derzeit noch abgeraten (Stand: 22.8.2021).

 

 

Länderinformationen

Laufend aktualisierte Informationen über die Sicherheitslage in Afghanistan:

Überblick über die Entwicklungen der letzten Wochen:

 

Aktionen

Informationen zu Demonstrationen, Aktionen, Spendenaufrufen und Petitionen zur Aufnahme aller gefährdeter Menschen aus Afghanistan: