Erleichterte Einbürgerung

Ein Anspruch auf die Einbürgerung besteht im Regelfall erst nach einem rechtmäßigen Aufenthalt in Deutschland von acht Jahren, bis 1999 sogar erst nach fünfzehn Jahren. Diese Frist kann sich bei erfolgreichem Besuch eines Integrationskurses auf sieben und bei besonderen Integrationsleistungen (z.B. überdurchschnittliche Deutschkenntnisse oder ehrenamtliches Engagement) auf sechs Jahre verkürzen. Außerdem gelten für einige Personengruppen generell reduzierte Fristen und andere Erleichterungen.

Dies sind zum einen Asylberechtigte, anerkannte Flüchtlinge sowie Staatenlose, da sie alle nicht den Schutz eines anderen Staates in Anspruch nehmen können. Bei ihnen verkürzt sich die Aufenthaltsdauer auf sechs Jahre, bei in Deutschland geborenen staatenlosen Kindern auf fünf Jahre. Außerdem wird bei Asylberechtigten und anerkannten Flüchtlingen die Mehrstaatigkeit generell akzeptiert. Die Dauer des Asylverfahrens wird bei ihnen auf die Aufenthaltsdauer angerechnet.

Eine zweite Gruppe sind Familienangehörige von ausländischen Staatsangehörigen, die bereits einen Anspruch auf Einbürgerung haben (siehe § 10 Abs. 2 StAG), sowie Ehegatten und Lebenspartner von deutschen Staatsangehörigen (siehe § 9 StAG). Sie können bereits vor Ablauf der acht Jahre eingebürgert werden. Dadurch sollen auch verschiedene Staatsangehörigkeiten innerhalb einer Familie vermieden werden.

In den oben genannten Fällen müssen die Einbürgerungsbewerberinnen und -bewerber die übrigen Voraussetzungen, darunter ausreichende Deutschkenntnisse, erfüllen. Dagegen können sich ältere Menschen ab 60 Jahren, die seit zwölf oder mehr Jahren in Deutschland leben, auch dann einbürgern lassen, wenn sie sich im Alltag mündlich auf Deutsch verständigen können. Auch bei der Aufgabe der anderen Staatsangehörigkeit werden bei ihnen niedrigere Maßstäbe angelegt.

Schließlich ist auch bei einem Wohnsitz im Ausland eine Einbürgerung möglich, wenn die Einbürgerungsbewerberinnen und -bewerber früher die deutsche Staatsangehörigkeit besessen haben (siehe § 13 StAG) oder eine besondere Bindung zu Deutschland haben (siehe § 14 StAG). Ein besonderer Anspruch auf Einbürgerung besteht nach Art. 116 Abs. 2 GG für Menschen, denen die deutsche Staatsangehörigkeit während des Nationalsozialismus entzogen wurde sowie für deren Nachkommen.

Materialien

  • Leitfaden der Beauftragte des Senats von Berlin für Integration und Migration „Deutsches Staatsangehörigkeitsrecht“ (Stand: Dezember 2014).
  • Informationsbroschüre der Integrationsbeauftragten des Bunds „Wege zur Einbürgerung“ (Stand: Februar 2014).
  • Beitrag im Asylmagazin von Mecbure Pesenoglu und Martin Weimann: Einbürgerung in Deutschland – Entwicklung und Bedeutung für die Beratungspraxis (Stand: September 2013).
  • weitere Materialien

Links

  • Link zu Informationen der GGUA Flüchtlingshilfe zum Einbürgerungstest.
  • Link zur Webseite des Auswärtigen Amtes zum Staatsangehörigkeitsrecht mit weiterführenden Links und Informationen.